 lachen. Klotilde mit der Bonbonnière, das duftete
nach Konfitüren. Hier roch es - wie die Ackerscholle nach Blut. Ohne dieses Rot
der Farbe glühten alle Sonnen hoffnungslos. Die Missverständnisse der versäumten
Begegnung waren ihre neckisch ausgestreuten Blumen.
                                     * * *
    Am Mittwoch den 10. früh 11 Uhr trafen sie sich unter dem Ratause. Das
Gehirn des Bräutigams hatte allmählich wieder seinen Wonnetaumel eingebüßt. Er
sah die Welt wieder sehr nüchtern, nach surrenden Karren, vorbeieilenden
Menschen bemessen, aber er hatte keine Lust, mit Susanne nach dem Standesamt zu
gehen. Er hielt zwar Wort und war da. Als Susanne mit strahlendem Gesicht auf
ihn zukam, lachte er bitter mit. Er erzählte die Wichtigkeit, dass die Existenz
des Taifun, der ihnen die materielle Unterstützung zugesagt habe, durch die
Schellenhauersche Klage gefährdet sei. Ganswind würde in erster Instanz
wahrscheinlich zum Schadenersatz von Fünfzigtausend verurteilt. Susanne wusste
schon, warum der Vogel solches Lied sang. Da machte sie kurzen Prozess.
    
    Sie stieß den Doktor mit den Fäusten zur Türe hinein. Er flog in großem
Bogen in das Zimmer des Standesamtes. Das erweckte natürlich Heiterkeit.
    Der Standesbeamte war ein kleiner Herr mit großem Kopf, er trug stets einen
hohepriesterlichen Ernst auf dem Gesicht. Er frug vor allem den Doktor, ob er
sich auch von seiner Braut genügend überzeugt hätte. Susanne wurde rot vor Wut
über diese Frechheit. Aber so etwas war bloß bei einem kleinhorizontierten
Menschen möglich. Dieses Misstrauen gegen alles Internationale war eine
Rückständigkeit, wie auch tiefe Dummheit. Denn was waren eigentlich die
konventionellen Garantieen über Herkunft und Charakter! Als ob die Menschen in
diesen Kreisen besser wären als in jenen und anderen! Die Güte ihres
menschlichen Herzens war Susannes innerster Stolz. Und sie hätte es keinem
Pfaffen je geglaubt, wenn er ihr gesagt hätte, dass sie einmal in die Hölle käme.
Auch hing die menschliche Güte keineswegs mit der Sinnlichkeit zusammen. Im
Gegenteil, große Sinnlichkeit war am ehesten die Gewähr für ein hohes seelisches
Empfinden. Susanne hätte den Beamten am liebsten geohrfeigt wegen seiner
Dreistigkeit. Der Doktor sah ganz verdutzt auf den würdigen Stand des Beamten.
Er überlegte sich wirklich, ob er an Susanne nicht eine unter Kontrolle stehende
Dirne heimführte. Susanne empfand jedes Spiel seiner Miene. Aber der Beamte war
zufrieden mit der gewissenhaften Erledigung seiner Pflicht. Wiederum war die
Pflicht zur Ausübung grober Taktlosigkeiten gemissbraucht. Er entschuldigte sich
nach seiner gelungenen Attacke auf die vereinten Herzen, die er zerrissen hatte,
statt sie zu vereinigen: er habe sich der Vorbereitung einer langen Grabrede für
Kommerzienrat Lehmann zu widmen. Damit verließ er den Raum und überließ die
beiden ihrem Zerwürfnis.
    Dem Kommerzienrat Lehmann schmiedete der Würdige hohe Worte, in
salbungsvollster Sprache, damit die Angehörigen von der
