 mit der Zunge anstieß. Ein Hauptwerk
der Sammlung. Das Bild reproduzierte also einen Menschen, der in perversen
Affektionen verrückt geworden war, oder die andere Möglichkeit, einen
Katzenfeind. Der Doktor stand lange davor, die Idee des Taifun gebar sich in
ihm. In diesen Räumen wurde er zum Jünger der neuen Epoche geworben, ohne dass
man ein werbendes Wort an ihn richtete.
    Erst als er anerkennende Worte stammelte: »Fabelhaft, eigenartig, alles
berückend,« da sprach Ganswind: »Das nennen wir die Kunst.«
    Es war augenscheinlich, dass der Künstler nicht aus Unvermögen, die Elemente
zu beherrschen, so irr gemalt, sondern im Gegenteil eine Farbenschönheit und
Reinheit hervorgebracht hatte, welche die feinsten Sinne fesselte. Aber dass der
Kopf umgekehrt auf dem Halse saß? Warum das?
    Darüber befragt, äußerte Ganswind: »Das weiß ich nicht, und es würde wohl
auch der Künstler nicht wissen. Es kommt ebensowenig darauf an, was das Bild
darstellt, wie darauf, ob es überhaupt darstellen soll; das Bild nimmt den
Beschauer gefangen, es erschüttert ihn, es zermalmt ihn; das ist der Zweck des
Künstlers. Wenn er überhaupt einen Zweck haben will. Der Künstler ist in seiner
Existenz genau so ein Geschöpf des Zwangs wie alles Existierende, das weder
seinen Ursprung noch sein Ende je erkennen wird. Die Kunst ist frei.«
    Dem Doktor war es, als hätte jemand mit der Zange nach seinem Herzen
gegriffen. »Ich spielte bisher auf der Bühne meine Rollen und plötzlich wurde
ich entlassen. Warum? Weshalb?«
    »Das kann ich Ihnen beantworten, lieber Herr Doktor, die Leute tun das ohne
Grund, weil sie müssen.«
    Der Doktor war schwer verletzt. »Soll ich Ihnen eins versetzen? Mich musste
man entlassen? Tat ich nicht alles, was ich leisten konnte?!«
    »Herr Doktor, Sie missverstehen mich, die Leute mussten Sie entlassen, weil
sie von Ihrer Kunst erdrückt wurden.«
    »Das ist aber eine Gemeinheit. Das Publikum zollte mir tagtäglich
entusiastischen Beifall.«
    Der Doktor ließ sich in einen Sessel fallen, er sank in sich zusammen. Hatte
seine Direktion etwa doch recht gehabt, ihn aufs Trockene zu setzen? War er bis
jetzt in dem Wahn lebend, dass es eine Anerkennung gab, die wirklichen Wert
hatte? Die Schöpfer dieser Bilder, die vor ihm an der Wand hingen, verzichteten
von Anfang an auf jede Anerkennung, und sie lebten doch. Denn wenn sie nicht
gelebt hätten, so hätten sie keine Farbe mehr aufwenden können, um wieder neue
unanerkannte Werke zu schaffen. Aber er war ja Schauspieler.
    Er konnte nur leben, wenn er spielte. Und er durfte nicht mehr spielen
