. Es kam dann in der mittelsten Tiefe des Parkes der Friedhof der Katzen;
dort herrschte Grabesstille. Nicht ein Ton als das Rauschen der Bäume war
vernehmbar. Den Katzen waren Gedenksteine errichtet, auf denen jeder vorn das
Emaillebild der betreffenden Katze in Farben enthielt, während auf der Rückseite
ein Kreuz eingehauen war, worunter der Spruch stand:
    »Wer an eine Ewigkeit glaubt, der glaubt auch an ein Wiedersehen mit aller
Kreatur.«
    Die Gedenksteine standen alle nebeneinander. Die Katzenleichen aber
verwesten willkürlich zerstreut in den schönen Anlagen, so dass man bei keinem
Schritte wusste, ob nun hier oder dort ein Wesen darunter ruhte. Die Baronin
sagte, dass sie auf diese Weise alle im Geiste um sich fühle, sobald sie nur den
Friedhof betrete.
    Susanne sah nun auch Emilies Gedenkstein. Sie stand lange andachtsvoll
davor. Diese glich allerdings Kätzi auf ein Haar, wenn das Emaillebild eine
getreue Wiedergabe war. »Sehen Sie jetzt ein,« sprach die Baronin hart, »dass ich
mich für ihren Tod rächen musste?«
    »Aber so sehr,« lispelte Susanne an dem stillen Ort.
    »Was würden Sie Ihrem Dienstboten tun, wenn er sich an Ihrer Kätzi
vergriffe?« frug die Baronin.
    »Aus dem Hause werfen,« war Susannes rasche Antwort.
    »Vielleicht ist das möglich, wenn Sie nur eine Katze haben. Haben Sie aber
einen ganzen Hof, so müssen Sie sich zu strengsten Strafen bekennen.«
    Sie gingen weiter. Susanne hatte das Gefühl, noch nie in ihrem Leben eine
Friedhofsstätte, wo Menschen begraben lagen, mit ähnlich weihevoller Stimmung
verlassen zu haben. Der Ort wäre würdig gewesen, zur Begräbnisstätte von
Menschen zu dienen.
    »Die Katzen gehen mit mir durchs Leben wie Menschen,« war das Schlusswort der
Baronin, ehe sie sich verabschiedete. Susanne hätte noch gern gefragt, mit
welcher Katze sie morgen in den Taifun kommen würde, aber sie unterließ es
lieber und hatte für sich selbst die Freude der Spannung: vielleicht den jungen
Edelmann Remus. Susanne verabschiedete sich mit ausgesuchter Grazie: »Auf
Wiedersehen, Frau Baronin.«
    Susanne hätte zu gern Besuche bei allen Katzenklubmitgliedern angeschlossen.
Aber die Zeit und die Hitze! Gewiss war die Baronin von Büxenstein die vornehmste
Katzengönnerin, wenn sie nicht durch die Fürstin zu Kloppenrede übertroffen
wurde.
    Susanne war in einiger Besorgnis, dass ihre Kätzi beim Tee eine der
unscheinbarsten Erscheinungen sein würde. Wollte sie überhaupt hingehen? Das
musste sie wohl, denn sonst kam sie ganz außer Kontakt mit allen angeknüpften
Beziehungen. Sie wusste ja, dass außer dem Doktor noch viele Künstler eingeladen
waren. Wenn also der Doktor die große Angst kriegte und nicht kam, so brauchte
sie nicht hoffnungslos zu sein. Die Karten
