 undankbare Arbeit. Dagegen
dankbarer und heiterer ist es, gewisse Menschen als Hexenmeister anzuerkennen.
    Wenn Dr. Bäumler nicht den Glauben an seinen Heiratsvermittler gehabt hätte,
dass er hexen konnte, so wäre er nicht zu ihm hingelaufen.
    Das eigenartigste an diesem Heiratsvermittler war, dass er kein Heiratsbureau
hatte, sondern einen Kunstsalon. Und er erhob keinen Pfennig Spesen für das
Glück seiner Opfer.
    Er spielte täglich seinen Fünfuhrtee, dass es im Hofe des Hausvierecks
widerhallte. Und an den Strahlen dieser Töne kletterten besondere Menschen empor
in die erste Etage des rechten Seitenflügels. Dadurch machten sie alle ihr
Glück. Unglückliche züchtete der Hexenmeister grundsätzlich nicht. Er war
befähigt, die Menschheit einem paradiesischen Zustande zuzuführen.
    An der Korridortür war ein schwarzes Plakat angenagelt, auf dem mit gelber
Messingschrift zu lesen war: Taifun, Leiter Hermione Ganswind. Während man
davorstand und sich den Eintritt überlegte, wirbelten aus dem Innern die
gigantischen Töne einer dämonischen, alle Sinne zermürbenden Musik. Wenn es ein
Weib war, warum hieß es dann nicht Leiterin? War sie etwa eine herrische Dame,
die nach Art der Tierbändigerinnen mit der Peitsche in der Hand herumlief? Sie
leitete den Taifun, der den Sand der Wüste Sahara über die blühenden Landgärten
des Nils in die Fluten des Mittelmeeres jagte. Irgendein geheimnisvoller
Zusammenhang zwischen der fürchterlichen Musik und dem beabsichtigten Ziele
musste herrschen. Mit einem spiritistischen Schauer, der kalt über den Rücken
lief, wagte man endlich den Eintritt.
    Dort kroch Dr. Bäumler hinein. Sein Überzieher hing ihm stets wie
nachgeschmissen über den Schultern, und sein Hütchen saß nach vorn gekantet über
weit aufgerissenen Augen, die durch die Oberkante eines ortozentrischen
Kneifers die Welt schräg betrachteten. Die Hände steckte er in die Hosentaschen,
eine Zigarette lag zwischen die Lippen geklemmt in seinem Munde.
    Von diesem Taifun hatte er schon viel gehört. Der Taifun hatte in Paris,
London und Petersburg große Gemäldeausstellungen veranstaltet, die Presse aller
Länder schimpfte über ihn, diese Erzeugnisse dürften erst zur Anerkennung
kommen, wenn erst einmal die ganze Menschheit verrückt wäre. Der Schutz der
Polizeibehörden aller Kulturländer wurde angerufen, die Menschheit vor dieser
Gefahr durch Zwangsmassregeln zu behüten. Es müsste einfach verboten werden,
solche Bilder zu malen. Weil aber jedermann in seinen vier Wänden malen konnte,
was er wollte, so war ein solches Verbot aussichtslos. Nur diese Werke
auszustellen, sollten die Polizeien verbieten. Aber die Herren von der Polizei
suchten vergebens nach einer Präzisierung der Grenze, und es blieb Tatsache, dass
diese verrückte Malerei überhandnahm. Die Presse fühlte sich teilweise
überwunden und begann für den Taifun Partei zu ergreifen. Der anfangs
schüchterne Anhang des Taifun ballte sich lawinenhaft. An alten Größen der Kunst
fegte der Taifun vorbei, dass sie nur mit resignierten Blicken
