 Straßen. Ertrunkene Katzen.
    Aufgequollene Hunde.
    Dazwischen Baumstämme von den schlesischen Gebirgen. Stege wurden in den
Straßen errichtet.
    Boote vermittelten den Verkehr.
    Die Kinder vergnügten sich, in Kübeln wie kleine Piraten umherzusegeln.
    Als aber das Wasser nicht fallen wollte, als es in einer Nacht wiederum
wogte und bis an den Marktplatz schwoll - da schrien die Menschen von den oberen
Stockwerken und von den Dächern:
    »Wehe! Die Sintflut ist herbeigekommen! Rette uns, Noah, mit deiner Arche!«
    Bracke hüpfte mit wehenden Haaren auf den Giebel des venezianischen
Kaufhauses und schrie im fahlen Mondschein, während Wolken rasend oft
vorübertrieben und ihn verdunkelten:
    »Tut Busse! Tut Busse! Denn das Reich der Hölle ist nahe herbeigekommen. Eure
Herzen wurden Schlangennester. Eure Augen trübe Pfützen des blutigsten Lasters.
Eure Hände, zu liebender Umarmung einst bestimmt, greifen in leere Luft. Das
Eismeer trat über seine Ufer. Erratische Blöcke zermalmen den blühenden Garten.
Kometen schleifen feurige Schwänze wie Trauerschleppen durch die Straßen: und
die Stadt steht steil in Brand. Schlagt euch an eure zerfallene Brust: ehemals
göttlicher Dom, nunmehr eine knöcherne Ruine, darin jegliches Unkraut: Hass,
Niedertracht, Neid, Unzucht, Lüge, Feigheit, Hochmut wuchert. Schreit, brüllt,
kniet in den Kot eurer eigenen Leiche. Schreit: Ich Sünder, ich wandelnder
Dreck, eitriger Auswurf eines verwesenden Bonzen. Seliger einst am Saume der
Welt; saumseliger, seufzend im Süden, verweint in Nelkenduft, Falter, mit den
Flügeln leise atmend auf den Orangenbrüsten der blondesten Frau.
    Der Regen blutet aus meiner Wunde.
    Die Sonne schlägt mich an feuriges Kreuz.
    Ich schäume: rotes Meer. Ich schreie; ich Namenlos, ich Traum: bin schuld am
Kriege ... der Seienden ... des Seins.
    Ein jeder: Ich. Millionen Ich ... sind schuld, sind schuld.
    Die Geissel Gottes knallt.
    Ich kenne, bekenne mich: zur Pflicht, zur Verpflichtung, zur Wahrheit, zum
Geständnis.
    Es gilt, unsere Schuld in die Welt zu pauken, zu posaunen, zu läuten, zu
zischeln, zu heulen.
    Reisst das Hemd auf. Schlagt euch an die Brust. Bekennt: Ich, ich bin
schuldig. Will es büßen. Durch Wort und Tat. Durch gutes Wort und bessere Tat.
    Dünke sich niemand zu niedrig, seine Schuld zu bekennen. Niemand zu hoch.
    Schwört ab den Taumel! Bekennt euch straff! Bäumt auch zum neuen Willen
einer neuen Zeit.
    Es geht um den Adel der Erde. Enttront wurde die ewige Kaiserin: die Natur.
    Es darf nicht sein: das Gute in der Anschauung haben und begreifen, und
schlecht handeln, schlecht sein. Ehe
