.
Bracke saß am Fluss und angelte.
    Es war ein trüber, regnerischer Tag, der dem Fischfang günstig ist. Aber
trotzdem wollte kein Fisch anbeissen.
    Endlich fühlte er seine Angel schwer werden. Er zog und zog mit allen
Leibeskräften.
    Welch prächtiger Hecht! dachte Bracke.
    Ein letzter Ruck.
    Da zog er an seiner Angel einen eisernen, über und über verrosteten
Landsknechtshelm auf den Rasen.
    Bracke erblasste. Es gibt Krieg! -
    In einem Garten sah Bracke, wie ein Gärtner beim Umgraben eine
Maulwurfsgrille aus Versehen mit einem Spaten spaltete. Und wie nunmehr die
vordere Hälfte in unverminderter Fressgier ihre eigene Hinterhälfte auffrass. Und
erst dann krepierte.
    »So ist es, wenn zwei Völker Krieg führen«, sprach Bracke zu dem Gärtner.
»Sie sind im wesentlichen und eigentlichen ein Volk - das der Krieg spaltet. Und
welches von den beiden Völkern auch siegen mag - es wird ihm gerade gelingen,
das andere aufzufressen, ehe es selbst krepiert. Da eins ohne das andere nicht
leben kann.«
Bracke kam eines Tages in eine Burg des Grafen Schierstädt.
    Diese Burg war trefflich gerüstet für einen längeren Feldzug und auf Monate
verproviantiert.
    Tiefe Wassergräben umgaben sie.
    Mauern drohten steil.
    Aus Schiessscharten lugten Kartaunenrohre wie offene Mäuler bissiger Hunde.
    Auf dem Turm stand Tag und Nacht ein Wächter, bereit, bei offenkundiger
Gefahr sofort ins Horn zu stoßen.
    Die Burg galt für uneinnehmbar.
    Als Bracke abends unter der Linde im Burghof stand und in die Sterne sah,
vernahm er Geflüster.
    Er schlich näher und hörte zwei Knappen des Grafen sich besprechen, wie sie
ihn zu Fall brächten und sich in den Besitz der Burg setzten.
    Was nützen der Burg die höchsten Mauern, die tiefsten Gräben? dachte Bracke.
    Von innen heraus ergreift uns ja stets der unheilvollste Feind - aus unserm
eigenen Herzen.
Krieg muss wieder sein! Die Spree muss Leichen schwemmen! Warum ereignet sich
unter meiner Regentschaft nichts? Keine Pest, die den Gesichtern der Menschen
schwarze Masken vorbindet, bis sie auf ihren blauen Bauch tot niederfallen.
Keine Hungersnot, dass Mütter ihre Kinder fressen und Jungfrauen vor Hunger in
einen Rausch der Hurerei fallen. Die Erde soll sich öffnen und Berlin
verschlingen. Ganz Berlin müsste in Flammen aufgehen. Gott ist mir nicht gewogen,
dass er mich so ... glücklich leben lässt. So in Ruhe und Frieden. Ich will einen
Krieg führen!
    Der Kurfürst zog, hölzern auf einem Schimmel reitend, mit zehn Kompagnien
Soldaten gegen die slawischen Barbaren.
    Es kommt zu einem erbitterten Handgemenge, bei dem ihm eine Ohrmuschel halb
abgehauen wird. Er ist entzückt.
    Er beschenkt, den Slawen, der ihn so zugerichtet, mit hundert Gulden und
ernennt ihn zum Offizier seiner
