 ein Schalk?«
    Bracke schielte verdrießlich zu ihm empor:
    »Mitnichten, Herr, sondern ich bin das Heilige Römische Reich Deutscher
Nation.«
    »Das sollte mir wohl gehorchen«, sagte der Kurfürst, »folgt mir. Ich
gestatte Euch, mein Wappen in Eurem Kleide zu führen.«
    Und Bracke folgte ihm an den Hof nach Berlin.
    Der Kurfürst sprach: »Du verstehst mit der Feder umzugehen?«
    Bracke nickte mit dem Kopf.
    »So schreib mir einige deiner Weisheiten auf!«
    Und Bracke brachte ihm ein kleines Buch, darin war zu lesen:
1. Ein hohes Alter zu erreichen.
Wer möchte nicht ein hohes Alter erreichen in Gesundheit des Leibes und der
Seele, mit 90 Jahren noch Kinder zeugen, sich selbst und der Menschheit zu Nutz
und Freude? - Man gehe in den Eichwald und wähle einen alten, großen, noch
frischen Eichbaum. Im Herbst, um das Äquinoktium, grabe man das Erdreich um die
Wurzeln auf und bohre in die Wurzel an verschiedenen Orten Löcher. In die Löcher
schlage man Zapfen, und an die Zapfen kitte man Krüge, dass nichts Unreines von
außen hineingelange. Danach wirft man das Loch wieder zu und lässt's bis an den
Frühling. Im Frühling gräbt man wieder nach und findet die Krüge voll
Eichensaft. Der Baum stirbt von dem Aderlass, der Mensch aber nehme jeden Morgen
auf den nüchternen Magen einen Löffel des rektifizierten Eichensaftes, so wird
er das Wunder an sich erleben, wie des Baumes Kraft und Stärke in ihn übergeht.
Denn der ausgesogene Baum hat dem Menschen sein Leben überlassen.
2. Von dem unsichtbar machenden Rabenstein.
Man nehme einen Vogelkäfig und steige damit auf einen Baum, wo ein Rabennest mit
jungen Raben ist. Man nehme einen jungen Raben und hänge ihn darein wie der
Henker einen Galgenstrick, so, dass die Alten nicht dazukönnen. Sonst würden sie
ihn zerreißen und in ihren eigenen Mägen begraben, denn die lebenden Raben
können keinen toten Raben leiden. Wenn die alten Raben den jungen so kläglich
gehenkt sehen wie einen Verbrecher, so erheben sie zuerst ein klägliches
Geschrei, danach fliegen sie von dannen und kommen mit einem schwarzen Stein im
Schnabel zurück, den sie dem toten Raben durch das Käfiggitter in den Sterz
bohren, wodurch der tote Rabe sofort in seine Elemente aufgelöst und unsichtbar
wird. Auf dem Boden des Käfigs findet man dann den unsichtbar machenden
Rabenstein vor, die Schlinge aber ist leer und das Rabenaas verschwunden. Der
Rabenstein macht den Menschen, der ihn trägt, unsichtbar.
3. Einen Feigling zu einem Helden machen.
Einem feigen Menschen gebe man, ohne dass er es merkt, Löwenmilch zu trinken, so
wird seine Tapferkeit und sein Blutdurst keine Grenzen kennen
