, das
rasselt, wenn man es auf den Boden stößt. Wir werden dahin wirken, dass auch dies
Instrument verschwindet.
    Wir stellen uns auf den Boden der nacktesten Wirklichkeit. Wir werden in
Unterhosen die Nationalhymne singen. Wir werden in Schnurrbartbinden unsre
Ensembles aufführen, statt uns Masken zu schminken. Wir werden uns Bäuche
stopfen und Scheitel ziehen wie sie Herr Adalbert Schumm zur Schau trägt, und
werden auf diese Weise hottentottischer wirken als, nach dem Urteil der Polizei,
alle wilden Tiere und Pauken zusammengenommen.« (Zündschnur, Nummer 3, vom 18.
Dezember).
    Und ein andermal, (Nummer 4, Seite 3): »Man lasse dem Volk seine harmlosen
Freuden. Wie sagt doch der Dichter: Freude, schöner Götterfunke, Tochter aus
Elysium!«
    »Jene aber, Verräter an der Notdurft der Menschheit gehen darauf aus, dem
Leben seinen holden Schimmer, seinen Flaum zu nehmen, gez. Dr. A.«
    Und als eine neue Razzia stattfand, konnte man in der Zündschnur, Nummer 6,
Jahrgang I, die Sätze lesen:
    »Freunde! Mitbürger! Genossen!
    Hört! Euer Bestes, euer Gemüt ist verdächtig. Vor Gericht ist alles Gemüt
verdächtig. Gemüt kennzeichnet unseren Henkern Menschen, die auf suspekten Wegen
gelitten haben und zermürbt sind. Gemüt ist für sie Opposition und Verschwörung.
Gemüt ist das Merkmal von Menschen, die renitent sind, waren oder sein werden.
Gemüt ist Eigendünkel und eine Gefahr für sie. Leute von Gemüt gehören in
Untersuchungshaft. Man recherchiert mit Recht und Erfolg nach kriminellen Akten
von ihnen. Legt euer Gemüt ab!«
    Bei solchen Ergüssen war es erklärlich, dass das Geschäft litt, dass sich die
Habitués verflogen.
    Gerade der letztere Artikel wurde deshalb von direktorialer Seite sehr
angefeindet. Sein ironischer Ton war leicht misszuverstehen.
    Legt euer Gemüt ab!, das konnte auch heißen: Meidet die Vorstellungen! Gebt
keine Gelegenheit, euch zu fassen!
    Das musste dem Publikum Angst einjagen, es abhalten, zu kommen.
    Der Dr. Asfalg in seinem Fanatismus ging entschieden zu weit, begann der
Sache zu schaden. Und erreichen, der Polizei gegenüber, konnte er doch nichts.
Sie hatte die Macht. Sie hatte vom Staat die Befugnis, zu säubern. Und wenn man
Sauberkeit, Ordnung und Rechtlichkeit anerkannte, dann musste man auch die
Polizei anerkennen.
    Nur den vereinten rhetorischen Anstrengungen der Direktionen gelang es, den
Besuch ein wenig zu heben.
    Neben herausgebügelten Bauernweibern, die in der Stadt ihre Einkäufe
besorgten, saß ein französischer Invalide, dem beim Aufstehen die Krücken
fielen. Neben dem Seifensieder, den die Reklameaufsätze der Zündschnur angelockt
hatten, saß eine brotlose Köchin, voller Entschluss, unsittlich zu werden und
sich im
