 und wird eine mächtige dunkelblaue Glocke,
übermannshoch, und schwankt leise auf dem biegsamen Stiel. - Nun heben die
Holzhacker wieder ihre Äxte -: da beginnt sie ein tiefes und volles Läuten im
Wald, der ganze Wald klingt, Luft und Erde klingt - - jetzt kracht sie rasselnd
ineinander. -
    Da erwachte er, Ziegel polterten von den Dächern und zerrissene Sturmwolken
hasteten über den Morgenhimmel. -
    Ein Gemälde von den beiden Königskindern hing in dem Zimmer, in dem Erich
seine Vormittage zu verbringen pflegte.
    - Ein roter Herbstabend, durch den ein Kranichheer zieht -: o wie schön ist
die Sehnsucht, aber ihr Ziel ist ihrer nicht wert. Wie habe ich nicht eine
Lösung, eine entüllende Formel des Unergründlichen, das mich umlagert, ersehnt
-! Und was habe ich am Ende gefangen: die Erkenntnis einer Unmöglichkeit, eines
Unsinns. - Wie das Laub der Bäume über Nacht zerstoben ist, auf den Wellen
schaukelt und sich verhaspelt hat in dem rissigen Schilfrohrhaar, ist mein
Sehnen zerstoben und zerflogen.
    Wie es sich krümmt unter dem Winde, das gelbgraue Rohr, wie die Wellen
glucksen und schnappen, wie die Wolken kugeln, wie verkaterte Zechbrüder torkeln
sie hin -: wie schön ist diese Welt des Scheins, aber sie ist der Bewunderung
und Liebe nicht wert, denn es ist ein sinnlos gewalttätiges Wirken, in das wir
die Schönheit, unsere Schönheit, unser aufreizendes Gefühl nach Neuem und Anderm
hineinlügen.
    Lügen -. Aber wenn es eine Lüge gibt, muss es eine Wahrheit geben, ein Ding
besteht nur durch seinen Gegensatz; damit Alles Unsinn ist, muss Alles Sinn sein.
- Kann nicht gerade das Bestehen der verschieden großen Kräfte und ihr
gegenseitiges Sich-Abwiegen und zu überwinden Suchen der Sinn sein? Überwinden
wollen, herrschen wollen, um zu herrschen, der Zweck? Um der Lust willen am
Herrschen?
    Ja, wenn ich die Natur aus mir erklären will, finde ich tausend Erklärungen.
Dann biegt und quält der Wind dort das Rohr, weil er es biegen und quälen will
und seine Lust daran hat - wie er mein Schloss in Staub blasen würde, wenn er die
Macht dazu hätte. Dann leuchtet dort der Himmel so sehnsüchtig rot, weil er so
will; er würde klingen, - o mit welchem Ton! - wenn er könnte, um sein
schmachtendes Herz zu hören, um an seinem sehnsüchtigen Leid sein unermessliches
Jauchzen zu haben. - -
    Wer sagt mir, dass solche Erklärungen, die ich aus mir schöpfe und über die
Natur breite, notwendig inadäquat sind? - Sie sind mit ihren Begriffen und
Urteilen geworden, folglich - -. Nun, gilt der Einwand? Doch nur, wenn nur sie
geworden, und die Welt
