 Erkennen
immer subjektiv, immer Bild bleibt, dass ich nichts bin denn ein unzufriedener,
faselnder Grammatiker.
    Was bleibt mir da von der Bewunderung meiner Weisheit übrig? Die
Bewunderung, die Ehrfurcht vor ihrer Unzulänglichkeit, d.i. die Bewunderung
meiner zulänglichen Dummheit.
    Soll das meiner Sehnsucht Ziel und Ende sein? - Bedauere ich es vielleicht?
Dann hätte ich dreißig Jahre zwecklos Kohlen gehauen. -
    Wie ein Licht nach dem andern da unten erlischt - nur die Sterne, ich und
die balzenden Bauernburschen sind wach - - und sind alle drei das Gleiche - aber
was? Das muss sich doch ergründen lassen!
    Dummheit? - schwerlich. Weisheit? - unmöglich. Güte? - wäre Blasphemie.
Ruchlosigkeit? - wäre Feigheit. Aber Rücksichtslosigkeit? - augenscheinlich.
Zwecklosigkeit? - höchst wahrscheinlich. Aber Sinnlosigkeit? - was wissen wir!
    Stoff? - niemals. Kraft? - gewiss. Geist? - wo steckt der Unterschied
zwischen Kraft und Geist?
    Aber sollte ich ihn finden, muss ich dann nicht fürchten, er wird wieder
Bild, Spiegel, nur ein Wort sein? -
 
                     Der dunkelblaue Enzian zum vierten Mal
Zornig brauste heute der November durch den Wald, legte - willst du wohl! - die
stolzesten Kiefern auf die Decke und schmiss Fetzen auf Fetzen die hangenden und
jagenden Wolken in die Nacht; fegte und pfiff um Dach und Turm, rasselte in den
Schiefern, rauschte im Schilf und wühlte in den klatschenden Wassern der Teiche.
    Der macht reine Bahn, dachte Erich, der pustet die weissdochtigen
Schwefelflammen und die Blutlichter im Sumpf hurtig aus und lässt die Goldtaler
der Buchen rollen. - Den Lichtenhagen roden sie aus -'s ist just das rechte
Wetter. Da wird die Jägereiche gewesen sein und der Enzian ausgeläutet haben am
Niederrhein. - Rauchende Schlote und dröhnende Hämmer und zwischen ihnen das
stinkende Gewürm - mich soll's wundern, ob Das nicht noch die Abendwolken und
den Himmel beschmutzt; dann gehört ihnen dieser Stern, dann sind sie seine Herrn
- o was für Herren! O, 's ist just das rechte Wetter. -
    Da kam durch das Pfeifen und Pusten des Sturms der Traum. - Der nimmt ihn
bei der Hand und führt ihn zu einer breitästigen Eiche. Die Männer, die dort
stehen und ihre Äxte wetzen, sehen sich mit einem seltsamen Lächeln an, sie
werfen die Kittel ab und streifen die Hemdärmel hoch und spucken in die Hände
und heben die Äxte und - schlagen in den Baum. - Die braunen Holzscheite
stieben, ein Zittern läuft durch seine Äste - da neigt er sich, senkt sich, da -
schlägt er krachend hin. - Doch zwischen seinen Ästen hoch wächst eine blaue
Blume, wird größer und höher
