 Märchen im Ohr? Ach! ich will
nicht den Reim. Rote Blumen und blaue Himmel -!
    Dann wandte er sich, um hinabzusteigen; aber der Wind presste ihn hart gegen
die Pfeiler.
    Du möchtest mich nachblasen die siebzig Fuß hinab - nun, das kommt, wann ich
will, und das hat seine Zeit. Erst stirbt der Gott da hinter den Sternen und
steigt der der Erde hoch, dann - -
    Dann? Dann liebt der Erdengott seine Erde - - Lieben? Was ist denn da noch
zu lieben? Zu lachen höchst! Lächeln muss er, lachen muss er, muss traben wie ein
stolzes dummes Tier -!
    Werde ich nicht auch dann in die Welt gestoßen, ohne dass ich es wollte? Muss
ich nicht auch dann mich gegen das Leben wehren? mit Lachen und Stolz mich
wehren? Und dankbar sein für etwas, das ich nicht gewollt, das ich nachträglich
gut gesagt, trotzdem, ja gerade weil es mich quält: weil ich mit einem Ja besser
als mit einem Nein leben kann? Muss ich nicht Dankbarkeit, Freude, Interesse,
Liebe lügen? Lügen, ich kann nicht anders! - Es ist ein Lügen, das Leben lieben,
das Leben, von dem ich nur seine Lüge kenne; es verlachen, wenn ich nicht weiß,
worüber ich lache; es erforschen, wo ich nicht weiß, was ich erforsche; mich an
ihm freuen, da ich nicht weiß, worüber ich mich freue; es fortwerfen, wenn ich
nicht weiß, was ich fortwerfe; es weiter wollen - wozu? wo ist der Sinn? wo ist
der Zweck? wo ist der Grund? - Kein Wissen, kein Sinn, kein Zweck, kein Grund,
kein Ziel, kein Entfliehn - verflucht!
    Er schmetterte den Fuß gegen den Pfeiler, dass er knackte und zur Tiefe fuhr,
und häuptlings flog er ihm nach.
    Am Abend hatte man seine Leiche aus dem Schlamm herausgeholt, mit ihm den
abgebrochenen Pfeiler - den trugen sie zurück auf die Galerie. - Weswegen? Sie
wussten es nicht.
                                      Ende
 
    
