 in ihr eine verlegene, ungute Scham herauf darüber, dass auch sie einen
Burschen einhandeln wollt um eine Spitzbubentat. Aber da blinken und gleissen die
Guldenstücke lockend aus dem Kästlein und ziehen den Blick hinweg vom Betrachten
und Erkennen, vom Bereuen und Fürnehmen. So dass die Dirn darauf vergisst und
lieber mit den Fingern in den hellklingenden Münzen wühlt und dabei summt:
»Wanns Kronataler regnen tuat - und Guldnstückl schneibn, - nachher bitt i
unsern Hergott, - es möcht's Wetter a so bleibn!«
    Im Hause des Martlbräu herrscht Lust und Freud. Der einzige Sohn, der Ferdl,
ist auf Urlaub heimgekommen und wurde empfangen mit Blumen und Girlanden, mit
Willkommengrüssen auf Transparenten und einer Jubelhymne auf dem Klavier. Und die
Mutter preist ihr Glück, dass sie ihren Buben wiedersieht, freut sich über seine
goldenen Borten und die Knöpfe an seiner grauen Uniform, die ihn als
Vizewachtmeister der Feldartillerie kennzeichnen, und lässt Freund und Nachbarn
teilnehmen an Glück und Freud; indes der Vater zufrieden und wohlwollend den
Erzählungen des Sohnes lauscht und das schlichte schwarze Kreuz in der Hand
hält, betrachtet und es danach den Stammgästen zeigt. Die Schwester des Herrn
Vizewachtmeisters aber prangt in Festgewändern, hüpft und tänzelt um den feschen
Bruder herum, hat hundert Pläne im Kopf und eine Menge Vorschläge im Mund, wie
der Ferdl am besten seine zehn Tag Urlaub in Saus und Braus und in ihrer
Gesellschaft hinbringen könnt, und weint schließlich vor heller Enttäuschung und
Verzweiflung darüber, dass der »fade Mensch« am liebsten bei der Mutter in der
Küche oder beim Vater in der Stube hockt, raucht und sich darüber freut, dass er
endlich ein bissl ausruhen und zu sich selber kommen kann.
    Eine aber ist, die dies Heimhocken des Herrn Ferdinand Martl nicht bedauert,
die Hanni. Für sie ist die Ankunft des Sohns vom Haus ein Ereignis, wie die
Erscheinung eines neuen Kometen für den Sterngucker. Und ein Gedanke steigt in
ihr auf, wächst riesengross und beherrscht am End das ganze Denken, Sinnen und
Trachten der Dirn: der Gedanke, eine Brücke zu bauen hin zu den Besjetztümern des
Martlbräu. Also beginnt sie sogleich ihr Werk; sie kleidet sich nach dem Vorbild
etlicher feiner Herrschaftsmädchen, die abends immer das Bier holen, nur mehr in
himmelblaue, getüpfelte Waschkleider, trägt weiße Schürzen mit gestickten
Spitzenträgern und zwängt die Füße in schmale, braune Spangenschuhe. Auch
versucht sie, ihr dichtes schwarzes Haar modisch zu richten, wellt und brennt
und steht abends lang vor dem Spiegel, frisiert und probiert, flicht sich Zöpfe
und löst sie wieder, macht sich Schnecken und Locken, Scheitel und Tuffen, bis
sie endlich eine Haartracht findet, die ihr vorteilhaft genug erscheint, um sich
in den Augen des
