 eigenen Kinder zu ächten und zu verstoßen.«
    »Dépêche-toi, mon bon garçon,« krächzte der Papagei.
    »Ich bin glücklich darüber, den Mächten der Unordnung eine Beute entrissen
und dem Staat einen Bürger gewonnen zu haben, mein lieber Herr Schimmelweis.
Doch ist es ratsam, dass Sie sich in der nächsten Zeit etwas im Hintergrund
halten. Man wird Ihren Gesinnungswechsel zum Gegenstand lärmender Angriffe
machen und das könnte der Sache schaden.«
    Zu Hause erzählte Jason Philipp, wie er mit offenen Armen empfangen worden
sei, was der Baron gesagt, was er, Jason Philipp, geantwortet, wie sie sich in
weittragende Erörterungen eingelassen und dass diese Zusammenkunft später einmal
zu den historisch bedeutsamen gerechnet werden würde.
 
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Was aber waren die eigentlichen Gedanken des alten Freiherrn, während er
politische Reden hielt?
    Immer die nämlichen. Der nämliche Ingrimm frass unaufhörlich an seinem
Herzen.
    Unaufhörlich dachte er an seinen Sohn, an die Verachtung, die er von ihm
erfahren hatte und die er noch täglich, stündlich dadurch erfuhr, dass sich
Eberhard seiner Macht entzog.
    Er konnte es nicht verwinden, dass er so viele Millionen angesammelt hatte
und dass Eberhard aller menschlichen Voraussicht nach und den Gesetzen zufolge
eines Tages einen Teil dieser Millionen besitzen werde. Er wusste von der Armut
wenig; aber sein hasserfüllter Geist träumte von nichts anderm als von der
Genugtuung, den missratenen Spross seines Namens und Blutes der Armut preisgeben
zu können. So wollte er sich rächen, so wollte er strafen.
    Aber er fand keinen Weg hierzu; das Gesetz hinderte ihn daran.
    Der Gedanke, dass sein Reichtum täglich, stündlich sich vermehrte, dass die
Millionen immer neue Millionen zeugten, ohne dass er den Finger rührte, ohne dass
er die Flut zu hemmen vermochte, und dass infolgedessen der Anteil des treulosen,
aufrührerischen und glühend gehassten Sohnes täglich und stündlich größer wurde,
dieser Gedanke vergiftete seine Ruhe, lähmte seine Kraft, beraubte ihn aller
Freuden und verdüsterte sein Leben.
    Ein neuer Midas, verwandelte er alles, was er anrührte in Gold, und je mehr
Gold entstand, je düsterer wurde sein Leben, je rachsüchtiger sein Gemüt.
    Die Töne eines Klaviers drangen zu ihm. Es war seine Frau, die spielte; sie
spielte Lieder ohne Worte von Mendelssohn. Er schüttelte sich wie vor Ekel. Von
allem Widerwärtigen war ihm Musik das Widerwärtigste.
    »Dépêche-toi, mon bon garçon,« krächzte der Papagei.
 
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Oft geschah es, dass während Jason Philipps Abwesenheit ärmlich gekleidete
Menschen in den Laden kamen und von Terese das Geld zurück verlangten, das sie
für die Versicherung gezahlt hatten.
    Einige gebärdeten sich erregt, als sie von Terese abgewiesen wurden und sie
ihnen sagte, es sei ihres Mannes Angelegenheit
