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nimmt, nimmt; da wird der Teufel fett, der Vampir immer gieriger. Ach, viele
gute Genien sind vor dir geflohen, viele hast du verscheucht, du Behexter, du;
du Verzauberter, du. Nun, die Hölle hat jetzt ihre Beute, der Himmel kann sich
deinem neugeborenen Herzen wieder auftun.«
    »Es ist kein Himmel,« ächzte Daniel, »es ist nur Schwärze, nur Finsternis.«
    »Dein Atem geht, dein Puls schlägt, und an jeder Hand hast du noch fünf
Finger,« versetzte das Gänsemännchen ruhig. »Wer bezahlt hat, ist ein freier
Mann. Du hast deine Schuld bezahlt.«
    »Meine Schuld bin ich selbst. Leb ich weiter, so schuld ich weiter. Lebt'
ich zurück, ich entginge nicht der gleichen Schuld.«
    »Es gibt aber eine Verwandlung, und durch die wird einem Absolution. Wende
deinen Blick ab vom Phantom und werde erst Mensch, dann kannst du Schöpfer sein.
Bist du Mensch, wahrhaft Mensch, dann bedarf es vielleicht gar nicht des Werkes,
dann strahlt vielleicht die Kraft und die Herrlichkeit von dir selber aus. Sind
denn nicht alle Werke nur Umwege des Menschen, nur unvollkommene Versuche zu
seiner Offenbarung? Wenn das Werk alle Liebe verschlingt, wo bleibt der Mensch?
Hast du nicht eine Maske aus Gips mehr geliebt als die Antlitze, die rings um
dich geweint haben? Hast du nicht einem Larven- und Spiegelwesen Gewalt über
dich verliehen und so deine Seele befleckt und deinen Geist mit Lahmheit
geschlagen? Wie kann einer Schöpfer sein, der die Menschheit in sich verkürzt
und betrügt? Es geht nicht ums Können, Daniel Nothaft, es geht ums Sein.«
    Daniel wälzte sich gemartert in den Kissen. »Hör auf, hör auf!« würgte er
hervor.
    Das Gänsemännchen beugte sich über ihn und kroch wie ein Tier, das nach
Wärme verlangt, näher an seinen Leib. »Löse den Krampf!« mahnte es; »zerbrich
die Kette! Deine Musik kann den Menschen nichts geben, solang du in dir selbst
gefangen bist. Fühl ihre Not! Fühl ihre grenzenlose Einsamkeit! Schau sie an!
schau sie an!«
    »Es ist so viel,« antwortete Daniel in höchster Qual, »hunderttausend
Gesichter verwirren mich, hunderttausend Bilder engen mich ein. Ich kann nicht
unterscheiden, muss flüchten, immer flüchten.«
    Etwas unsäglich Zartes, unsäglich Beteuerndes und Hinreissendes war im Klang,
als das Gänsemännchen sagte: »Wie Christus sprech ich zu dir: steh auf und
wandle! Steh auf und wandle, Daniel! Geh mit mir auf meinen Platz. Sei ich, vom
Morgen bis zum Abend sei einmal ich, und ich
