, mit einem Lächeln,
in dem Nachsicht und wiedererwachte Verwunderung lag.
    Auch dieses Lächeln erschien Eberhard eigentümlich lenorenhaft. Doch kam er
in Sylvias Nähe, gerade weil bei ihr alles ein wenig abgeschwächt war,
deutlicher zur Erkenntnis, was ihn so machtvoll zu Lenore hingezogen hatte. Er
konnte es nicht in Worte oder Begriffe schließen, er fühlte nur, es war das ihm
unbekannte Reich der Klänge, der unbekannte Schmelz innerer Melodie, die tönende
Ordnung der in Seele verwandelten Musik.
    Anfangs Juni fuhr Sylvia mit Eberhard und ihren beiden Eltern nach Nürnberg
zurück. Ein paar Tage später fand im freiherrlichen Haus die Verlobung statt.
 
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Herr Karovius war bezahlt worden. Das Konsortium stiller Hintermänner hatte sich
aufgelöst.
    Nie hat es einen befriedigten Gläubiger gegeben, der so unglücklich war wie
Herr Karovius. Er hatte kein Wegziel mehr; auch die Wegweiser waren zerbrochen.
Das Geld hatte er bekommen, schön; auf seinen Teil war sogar ein Profit von über
sechzigtausend Mark gefallen. Aber was wog das gegen die Erwartung des großen
Kladderadatschs? Was bedeutete Wohlleben und Besitz gegen den Genuss, den man
beim Fall von Gestirnen empfindet? Was hatte noch Reiz in der Welt, nachdem
diese hoffnungsvolle Angelegenheit, die als eine Tragödie begonnen und sich so
gesteigert hatte, dass man glauben durfte, alle Gegensätze der menschlichen Natur
würden vernichtend zusammenprallen, als ein gemeines Rührstück mit allseitiger
Versöhnung geendet hatte?
    Aber es lag nicht an dem allein, dass Herr Karovius, bisher eine elastische
Gestalt, einer von den unverwüstlichen Junggesellen, denen keine Schranke
gesetzt scheint, sich plötzlich alt werden fühlte. Eine Unruhe war in seinem
Gemüt, eine böse Ahnung, eine Angst vor Wetterwechsel.
    Er spürte einen inneren Hunger und hatte gleichwohl keinen rechten Appetit
mehr auf die Dinge. Verloren, seufzte es in ihm, verspielt und vertan. Doch es
konnte denen, die sich auf seine Kosten bereichert hatten, nicht zum Gedeihen
ausschlagen, das wusste er.
    Seine Haare fielen aus, und er bekam das Reissen in den Gliedern. Bei zehn
Grad Wärme schepperte er, und wenn es regnete, blieb er zu Hause. Er fing an,
sich auf eigene Faust mit der Medizin zu beschäftigen, namentlich mit der
Heilwissenschaft der Altvordern. Er las die Schriften des Paracelsus und
erklärte alle, die nach Paracelsus geschrieben und geforscht hatten, für
Quacksalber und Giftmischer.
    So wurde er auch in allem Musikalischen immer krauser und wunderlicher. Er
hatte einen altnürnbergischen Komponisten entdeckt, des Namens Staden, und in
dessen Oper Seelewig, der ersten deutschen Oper überhaupt, wollte er den Gipfel
der Kunst erblicken, über Mozart und Bach hinaus. Er spielte seiner Nichte
Dorotea Arien und Chöre aus »Seelewig« vor.
    »Wenn du das kapierst,«
