 willig, wenn einer kommt, um gut
und groß zu sein? Glaubst du an einen, an einen einzigen unter ihnen? Haben sie
nicht sogar deinen süßen Namen begeifert? Ist ihnen etwas heilig von dem, was
dir oder mir heilig ist? Werden sie durch deine oder meine oder irgendeines
Menschen Not um Millimetersbreite von der Stelle gerückt? Klebt nicht an jedem
ihrer Mäuler der Schlamm der Verleumdung? Ist ihnen nicht dein Lachen ein Dorn
im Auge? Neiden sie mir nicht den bitteren Bissen, um den ich mich schinde, und
die Musik, die ihnen unbegreiflich ist und die sie hassen, weil sie ihnen
unbegreiflich ist? Müsst ich nicht Steine klopfen oder Latrinen säubern, wenn es
nach ihrer Herzenslust ginge, weil sie mir mein Leben nicht verzeihen und das,
was mein Leben ausmacht -? Und das keine Wölfe? Das keine Wölfe? Sag mir, dass du
vor ihnen Angst hast, sag mir, dass du sie nicht auf dich hetzen willst, aber sag
mir nicht, dass du eine Schlechtigkeit begehst, wenn ich dich zu mir rufe, dich
mit deinen Flügeln, und du kommst.«
    Seine Arme lagen, ausgestreckt nach ihr, auf der Platte des Küchentischs und
bebten bis in die Fingerspitzen.
    »Die Schlechtigkeit, Daniel,« flüsterte Lenore, »die hat doch nichts mit
denen zu tun, die begingen wir doch gegen die höhere Sitte, gegen unser inneres
Gefühl von Brauch und Ehre ...«
    »Falsch,« zischte er, »falsch. Das haben sie dir weisgemacht. Das haben sie
Jahrhunderte und Jahrhunderte lang in dich und deine Mutter und deine
Muttersmutter und deine Urmütter hineingepredigt. Falsch. Lüge. Alles Lüge. Mit
dieser Lüge stützen sie ihre Macht, schützen sie ihre Organisation. Wahrheit
dagegen ist, was das Herz erfüllt, was Freude schafft, was mich weiterbringt.
Wahrheit ist, was die Natur gebietet, und der Gehorsam gegen die Natur. Wahrheit
ist in deinen Sinnen, Mädchen, in deinen geknebelten Sinnen, in deinem Blut und
in dem Ja, das dir deine Träume sagen. Freilich weiß ich nur zu gut, dass sie
ihre Lüge brauchen, denn sie müssen organisiert sein, die Wölfe, sie müssen ein
Rudel sein, denn sonst sind sie nichts. Ich aber hab nur meine Wahrheit; auf
meinem Brett über dem Abgrund nur meine Wahrheit.«
    »Deine Wahrheit,« sagte Lenore; »deine. Das ist aber nicht meine.«
    »Nicht, Lenore? Nicht deine? Wozu spräch ich dann mit dir? Und wenn alles
andere Irrtum und Schwindel ist, davon bin ich überzeugt wie vom Licht meiner
Augen, dass es deine ist.«
    »Du kannst dich doch
