 sich ihm
noch bieten konnten.
    Es war ihre feste Überzeugung, dass die Menschen das Unrecht, welches sie ihm
gegenüber begangen, einsehen und wieder gut machen würden, und sie wollte, dass
er Geduld üben und warten solle, bis man ihm Genugtuung gab. Außerdem kannte sie
seine Pläne und zitterte vor den Gefahren, denen er freiwillig und, so schien es
ihr, ohne praktische Eignung entgegen gehen wollte.
    Aber sein Entschluss war unerschütterlich. Dass er ihn vor Daniel geheim
hielt, ja nicht einmal andeutete, war in der sonderbaren Einseitigkeit
begründet, zu der das Verhältnis beider gediehen war.
    Lachend erzählte Daniel von seiner Begegnung mit der kleinen Dorotea. »Die
sieht mir ganz danach aus, als wollte sie dem großen Döderlein noch zu schaffen
machen,« sagte er.
    »Du hast ihm übel mitgespielt, dem großen Döderlein,« antwortete Benda; »in
der Nacht nach der Generalprobe hörte ich ihn stundenlang unter meinem
Schlafzimmer auf- und abgehen.«
    »Dich dauert er wohl gar?«
    »Wär ich du, ich ginge hin und leistete dem Mann Abbitte.«
    »Ist das dein Ernst?« wallte Daniel auf. Und als Benda schwieg, fuhr er
ruhiger fort: »Eigentlich sollt ich ihm ja dankbar sein, das ist wahr. Ich bin
durch ihn schneller zu der Einsicht gekommen, dass es zwei misslungene Machwerke
waren, die ich an die Sonne hängen wollte. Mögen sie mich nur niederschmeissen,
ich steh schon wieder auf, wenn ich die ganze Erde in mich hineingeschluckt
hab.«
    Benda lächelte gütig. »Ja, ja, du stirbst bei jedem Sturz und wirst bei
jedem Aufschwung neu geboren,« sagte er. »Das ist schön. Ein Döderlein aber kann
sich nicht mehr erheben, wenn ihn die Mitwelt fallen lässt. So einer lebt
ausschließlich von der Meinung der andern. Was dir Idee ist, ist sein Verderben;
was dir Lust ist, Wollust, ist sein Tod.«
    »Immerhin,« murrte Daniel; »wozu ist er nütze?«
    »Dem Geist der Natur, dem Geiste Gottes sind die Begriffe Schädlichkeit und
Nützlichkeit fremd,« erwiderte Benda versonnen. »Er lebt, damit ist alles
gesagt. Ich für meine Person hätte am wenigsten Ursache, einen Döderlein vor dir
rein zu waschen.« Er hielt einige Sekunden inne und atmete tief. »Ich kann nicht
deutlicher sein, das Wort will mir nicht über die Lippen,« sprach er mit trüber
Miene weiter, »aber der Mann hat an ... an einer Frau ein Verbrechen begangen,
so tückisch, so raffiniert und so naiv zugleich, dass er jede Brandmarkung
verdient und durch keine genug bestraft wäre.«
    »Siehst
