 und Gründen und Möglichkeit, geradezu etwas
Klassisches von einem Koup, an dem man seine Freude haben konnte. Wie ein Kind
vor seinem Schatze begann ich in Erwägung zu ziehen, wozu man ihn möglicherweise
verwerten könnte. Sollte ich mit Hilfe meines Klemmers und des Mausers das Land
der Dumaraleute erobern, eine Stadt gründen, Eisenbahnen anlegen, Kaffee- und
Maniokplantagen errichten, eine Armee nach preussischem Muster formieren mit van
den Dusen an der Spitze, oder eine Ingenieurschule für heranwachsende Indianer
unter meiner höchsteigenen Leitung? O, Brasilien ist ungeheuer und ein Land der
Zukunft, wer aber weiß etwas von Brasilien und wer kennt seine Seele als ich,
der Dichter? Ich bin dazu geschaffen, sein Kaiser zu werden, ich gründe nicht
bloß ein Reich, ich gründe eine neue Rasse, ich erfinde ihr eine eigene moderne
Seele nach dem neuesten Schnitte, ich kreiere einen brasilianischen und
menschlichen Erztypus, in dem die Talente aller Organismen vereinigt sind. Wir
schießen mit Dreadnoughts und gehen mit den Waden, wir philosophieren und singen
einfältige wilde Indianergesänge, die ins Blut gehen. Wir haben schlanke
demütige Weiber und stürzen uns für sie in den Tod. Wir sind die Schnellsten,
wir sind die Wildesten, wir sind die Geistigsten und wir besitzen die stärksten
und tiefsten Lüste. - Oder soll ich bescheidener sein und nur das ganze Dorf
zusammenpacken und eine Zirkusturnee durch heimatliche europäische Grossstädte
antreten? War Herr Hagenbeck nicht reich und angesehen geworden, nachdem er nur
erst einmal den commis voyageur in Wildnis gemacht hatte? Ich konnte dabei als
Scharfschütze in elegantem Tropengewande auftreten und mit den bekannten Kniffen
aus fünf Meter Höhe Glaseier mittels Rehposten herabholen. Doch nein, das sollte
mir nicht passieren. Der heutige Tag hat gezeigt, dass ich Talent habe; und von
nun an würde ich mit äußerster Sorgfalt und geradezu wissenschaftlicher Umsicht
an die Ausbildung meiner Schiesskunst gehen - ferner könnte ich als Impressario
Kelwas der modernen Kunst einen großen Dienst erweisen. Es galt, einen neuen
Standpunkt einzuführen, das Auge zu verbessern, und dazu war ich sozusagen als
der Scharfschütze unter den Künstlern gerade der richtige Mann. Ich würde den
Leuten beweisen, dass sie nicht sehen können, wenn sie die primitive und wilde
Kunst unterschätzen. Nachdem wir bereits alles reformiert, verändert und
renasziert haben, gilt es noch, unsere Augen, die letzte Zuflucht der
Konvention, zum Teufel zu jagen und eine wieder unbefangene Netzhaut an ihre
Stelle einzusetzen. Kelwa, dieser große reinmenschliche Künstler, müsste der
Menschheit den grauen Star stechen. Er hatte einen neuen anatomischen Schlüssel
zu geben, einen viel wesentlicheren formalen Kern zu entdecken, als es der alte
und schon fad gewordene war. War es möglich, dass sehende Augen, wenn sie sich
nicht gerade borniert auf ein gewisses
