 Ganz andere, ihr
abgelegene Dinge, weltverschiedene Perspektiven, ihr geradezu entgegengesetzte
Rasse- und Kulturgedanken heben den Kopf - den Kopf, nein, wie soll man sagen:
das ihnen sinngemässe Organ. Die Linkserkulturen regen sich. Es geschieht etwas
Furchtbares auf dem Erdball, der Akzent springt um.« Er lächelte milde und
schien in meinem Gesicht zu lesen. In meinem Hirn und meinem Halse saß ein
verdurstetes Sprechen, das nicht flüssig werden konnte. »Sehen Sie um sich! Und
verstehen Sie: Ihre Reflexion ist das Einzige, das als Lustinstrument einen
Vergleich mit diesem Leben hier standhalten kann. Das Bewusstsein«, hier drückte
sein Gesicht Ekel und Weisheit wie das eines alten verkommenen Fakirs aus, »ist
eine Lustmaschine. Versuchen Sie doch, einem von den Ihren die Reflexion zu
nehmen - er wird sich immer wieder an der Stelle wundkratzen, wo er sie
vermutet. Zudem ist euer Grad von Reflexion nichts so Neues auf dieser Welt. Es
ist ein uralter und geschärfter Jägerinstinkt, eine Raubtierbeobachtung, die in
euren neurotischen Zuständen aufwacht. Der Neurasteniker ist eine atavistische
Jägernatur; das aber ist der monumentale Witz aller Reflexion, aller Psychologie
und ebenso alles Nimrodtums: der beste Jäger muss Wild sein können. Er muss alle
Arten von Vergnügen umständlich lernen, um zu dem Seinen zu kommen. Nun, und«,
sagte Slim gedehnt, »Nummer vier in dieser Reihe ist das, was Ihr Erotik nennt.
Andere Kulturen, verzeihen Sie, Rassen kommen schneller zu diesem Resultat. Sie
haben die physiologische Seite ihres Lebens ohne Apparat entwickelt. Bei ihnen
ist das Bewusstsein noch nicht im Gehirn vergesellschaftet, und Ihr erkennt es
nicht, weil es keine Großstadt bildet, sondern als Provinzialismus in den
einzelnen Gliedern sitzt. dabei haben sie sich ein Element der Lust bewahrt, das
Ihr darangegeben habt. Das Grauen. Wahrlich, die Seligkeit und der Schrecken
sind Schlafkameraden. Das Glück der Faszination geht in den kaukasischen Leibern
nicht mehr um! Eure Weiber umarmen keine Gefahren. Hier aber ist Schaudern das
direkt gedeckte Erzbedürfnis.«
    Ich sah hinüber zu Aruki; sie arbeitete mürrisch, die Sehnsucht wütete in
ihren Gliedern und machte sie unfroh. In der Tat, von einem großen Manne, der
sonst gleichmütig hinter dem Webstuhl hockte, konnte ihr vielleicht geholfen
werden. Aber, war das die ganze Weisheit Slims, und war das alles, womit er sich
so pathetisch identifizierte? Warum sagte er stets »euch«?
    »Warum sagen Sie stets euch?« frug ich ihn. »Weil wir hier eben andere
Menschen sind. Unser Sinn ist anders. Unsere Wirklichkeit ist gesünder. Wir sind
eine Drohung für euch - oh, die Künstler unter euch ahnen es. Zu der Zeit
