 zerreißt und halbiert das Ganze: Leben und
verschafft sich die Effekte: Links und Rechts. Ist Ihnen das plausibel?«
    »Jawohl«, stürzte ich heraus, »dieser Gedanke ist ganz mein Fall. Ich muss
Ihnen endlich gestehen, welche Entdeckung ich gemacht habe. Ich nenne sie das
Wasserrad, sie ist ein Technikum für eine Art Paradoxon ...«
    »Soso, ja ...« sagte Slim und seine Augen wurden spitz wie Enterhaken; dann
wurde er zerstreut und versank in seinen eigenen Gedankengang. Er war still
geworden wie ein Schwungrad, das zum Stillstand kommt. Eine Weile herrschte
Schweigen. Dann lächelte er, dieses grauenhafte Lächeln eines vollständig
verkommenen und haltlosen Menschen, das ich niemanden mehr so habe lächeln sehen
wie ihn. Ein weniger schönes und edles Gesicht, wie das seine, hätte niemals so
furchtbar und abstoßend lächeln können.
    Er sagte: »So spricht man und schwätzt man. Das Gehirn, dieser Lustspeicher,
ist der phänomenalste Dialektiker. Ja, wer den Eingeweiden und Organen auf alle
ihre Phrasen käme, auf alle ihre Stilblüten! Könnte er danach seine Effekte
dressieren, er wäre der größte Künstler. Ist es Ihnen noch nie aufgefallen,
wieviel Ausreden, schlechtes Gedächtnis, Hysterien, kataplektische Unarten noch
in unserer lautersten Weisheit stecken? Wie unsere Reflexion dialektisch
verläuft, zehnmal neue grausame Kitzel versucht, schmeichelt und wohltut? Ich
habe Sie vorhin auf eine alte, aber sehr tüchtige Idee aufmerksam gemacht, ich
erinnere Sie jetzt an eine andere, jene, die den Wunsch als Vater des Gedankens
bezichtigt. Es ist ein Gesetz, das hier der Wortlaut trifft. So bin ich mir zum
Beispiel wohl bewusst, dass meine Theorie von den Dimensionen höchst auffallende
Fehler zeigt. Ich schaffe mir einen Standpunkt abseits aller Erklärung, der
nicht in ihr lokalisiert ist. Damit fehle ich gegen die Natur. Es ist nichts
außerhalb des Seins. Es ist nichts ganz, das nicht diese Harmonie seines Seins
und seiner Erklärung in sich trägt. Ganz ist nur, wie soll ich sagen: das
Gefühl? Der Glauben? Eine befriedigte Lösung, eine beantwortete Frage. Was
bedeutet alle Intelligenz schließlich gegen das Gefühl? Was wir wirklich
erleben, was uns wirklich reizt und schafft, ist nur das Gefühl. Und das Gefühl
vollzieht sich lächerlich selbständig, fließt und stockt und reagiert wie eine
Drüse, die man beschreiben, sezieren, heilen und hochmütig behandeln, aber doch
niemals als Lebensform herstellen kann. Das Denken ist nur ein Ausfluss dieser
Drüse: Gefühl; es hat taktische, aber keinerlei strategische Bedeutung. Und nun
begehe ich den Fehler der Einsamkeit wie ein Philosoph. Diese stellen sich auf
den Mars, um die Erde zu beschreiben, aber nun,
