 hier erzählt sind, den großen Indianeraufstand
entfesselte, war nicht zu erweisen. Vielleicht war sie es wirklich, dann lag nur
eine individuelle Lautauffassung ihres Namens vor. Und dann hätten wir wieder
einen der seltsamen Züge aber die Beziehungen der Menschen in der Wirklichkeit
vor uns, einen jener Züge, an denen dieses geheimnisvolle Buch so reich ist.
    Und geheimnisvoll ist es, dieses Buch. Es vermeidet die Aussprache von
gewissen tiefen und bösen Dingen und verhütet so, dass sie zu moralistischen
Dingen werden. Es hat ersichtlich das Bestreben, ehrlich zu sein, und ist darum
ersichtlich unaufrichtig und indirekt. Die Absicht des Verfassers, die
Brutalität des Tiefsten der Ergänzung statt der Erzählung zu überlassen, scheint
sein leitender Gedanke und seine heikelste Scham gewesen zu sein. Wie also Slim
und der Holländer starben - ich erwarte da mit dem Verfasser vieles von dem
Verständnis und dem Takt der Leser.
    Dies nun ist die Geschichte eines deutschen Ingenieurs.
    
 
                                       I
Mädchen und Frauen aller Länder und Rassen habe ich gesehen, farbige Schönheiten
von verschiedenstem Reiz, aber die übernatürliche seltsame Wirkung, die von Zana
ausging, habe ich nie mehr erfahren. Und doch war Zana nur eine armselige
Indianerin und urwüchsig vom kostbaren Gürtel, der ihre sonst nackten Lenden
umgab, bis zu den kräftigen Fingerspitzen, die mitleidlos in die Wunden von
Männern greifen mochten.
    Dann war da jener Mensch, Slim, der Amerikaner. Er besaß Mut und doch
Gewissen, und war wie der unzeitgemässe Mensch einer mittelalterlichen
Abenteurerlust, ein verspäteter Nachkomme eines Konquistadorengeschlechtes, kühl
und hitzig, baumlang, stark und furchterregend. Von seinem Vater, einem
amerikanischen Seemann, hatte er die Vernunft und Willenskraft des Nordens, von
seiner farbigen Mutter die Launen des Blutes geerbt. Diese eigentümliche
Zusammenstellung in Slims Begabung machten ihn zu einer charakteristischen
Persönlichkeit jener mittel-und südamerikanischen Zone, die noch heute den
Sammelplatz für brutale Herrennaturen und Flibustiertypen darstellt.
    Das Jahr 19.. fand mich in Curaçao, wohin mich eine technische Mission für
die Vereinigten Staaten des Nordens verschlagen hatte. Man hatte mich schon im
vorhinein mit den Abenteuern und den ausgefallenen Situationen jener
Halbzivilisation vertraut gemacht, und begierig harrte ich kommender Dinge. Da
lernte ich einen Holländer namens Van den Dusen kennen. Er war ursprünglich
Offizier der Kolonialtruppe auf Java, dann Kaufmann von Beruf, mit jener gar
nicht unmodernen Beimischung von Lanzknechttum, das in fremdem Dienste seine
Energie und Erfindungsgabe an die verwegensten Aufgaben wagt. Er führte auch
diesmal eine ganze Liste von Unternehmungen im Kopfe, die er mir nicht
vorentielt und mit denen seiner Meinung nach Sensationen und Reichtümer bis ans
Lebensende zu gewinnen waren.
    Ich verhielt mich zweifelnd. Er war nahezu beleidigt, er nannte, er rückte
mit Vorschlägen heraus. »Zwei Jahre sind es
