 er kannte keine Stimmung. Da hatte ich
ihn: er war kein Dichter. In seinem Ablauf sah ich den Rhythmus von Rädern, in
der durchdringenden Sachlichkeit seiner zynischen Bemerkungen hörte ich die
Lokomotive pfeifen. Ich aber, der Ingenieur, ich hatte den Beruf verfehlt. Ich
war zum Dichter bestimmt, mein Element war von Natur aus die Poesie!
    Dieser Gedanke enthielt eine ungeheure Anregung. Sofort wurde meine Laune
gnädig. Ich war der Dichter, Slim der Mann der Zeit. Sein Vater, der
Schiffskapitän, war ein Yankee; seine Mutter Chilenin, spanisches Halbblut. Es
gibt nichts herzlich Trockeneres als den Südländer, nichts Stabileres als diesen
gebräunten Sohn des Sonnenlandes. Von hier bezieht Slim seine dürren,
schneidenden Eigenschaften. Als Dichter bin ich zu dem Zeugnis ermächtigt, dass
er damit in Mode kommt. Ich bin hierfür als Dichter nachgerade verantwortlich.
Wer selbst keine Sehenswürdigkeit ist, beruhigt seinen Ehrgeiz als Impresario
einer solchen. Mister Slim, es mindert den Respekt vor meinem Genie nicht im
mindesten, dass Sie das sind, wozu ich die Idee in mir trage, das Schema, dem Sie
als Füllung dienen; und ich bin auch ein anständiger Kerl mir gegenüber, das
heißt ein Psychologe, so ist dies doch eine Privatsache, und niemand braucht
darum zu wissen. Dass ich mich für einen Schurken hielte, wäre Grund genug, einer
zu sein. Ich weiß, dahinter steckt ein schofles Geschäft, hat aber trotzdem für
andere eine redliche und achtunggebietende Arbeit zu sein wie irgendwas. Schon
sehe ich die fremde Bereitwilligkeit voraus, die Ironie, die ich selber gegen
mich verwende, zu akzeptieren. Es ist mir ein Beweis für meine Verdienste als
Impresario des modernen Menschen; wäre ich um ein Jota weniger originell, ich
selbst würde einen ganzen Rattenkönig von Impresarios inspirieren. Denn, meine
Herren, der Dichter ist stets genialer als sein Geschöpf. Da ich aber nicht
hilflos bin - - -
    Die Moskitos wurden jetzt noch einmal zudringlich, weil die Sonne sank, und
dies die Stunde ihres Frohlockens war. Schnell wurde es dunkel, und zwischen den
Hütten des Dorfes begann ein blauer, scharfer Rauch aufzusteigen, der die
Moskitos vertrieb. Große Männer und kleine Weiber, mit Fruchtkörben auf dem
Kopfe, kamen aus der Savanna zurück.
    Man beachtete uns um diese vorgeschrittene Zeit unseres Aufenthalts wenig.
Am ersten Tag hatten sie uns höflich ignoriert. Später erfuhr ich, dass
Feindlichkeit und Misstrauen oft das Beste hinter guten Sitten sind. Denn kaum
hatte Slim uns durch Luluac, den Häuptling, dem Parlament vorstellen lassen, als
auch schon die nette Förmlichkeit umschlug und wir eine Periode ärgsten
Belagerungszustandes, Spiessrutenlaufens und anderer etnologischer Metoden
durchzumachen hatten. Stumm und im Innern vor Wut knurrend saßen wir zur
