 diesen letzten Erfahrungen über die menschliche
Seele auch an einen Punkt geführt, von dem aus ich einen Rückschluss auf den
Untergang des Holländers ziehen zu können glaube. Der Kontakt, der seit letzter
Zeit zwischen uns bestand, hatte zur Folge, dass ich in einer symbolischen Vision
seinen Todeskrampf miterlebte. Es ist ja leicht möglich, dass ich mich in bezug
auf den Zusammenhang meiner Eindrücke irre und dass ich gewisse Vermutungen über
den Vorgang erst gewann, als meine Phantasie Gelegenheit hatte, aus meiner
persönlichen Augenzeugenschaft über vorhandene Verstümmelungen der Leiche sich
ein Bild des Kampfes zu machen. Ich selbst möchte, ohne Beweise dafür anführen
zu können, schwören, dass der Mann noch nicht ganz gestorben war, als man ihm die
Nase abschnitt, und dass es ein Akt von grenzenloser Roheit und von Leichtsinn
gewesen sein muss, mit dem man ihn seines Lebens beraubte. Er fiel auf die Seite
und stöhnte noch einmal, es war ein rührender piepsender Laut, der seine Brust
zum letztenmale hob. Es war ein vogelartiger Laut, es war der Liebeslaut der
Organismen, jener Laut, den das Vogelweibchen im Orgiasmus ausstösst, wenn es vom
Männchen belegt wird. Es war aber auch der Todeslaut. Die Beziehung auf den
Liebesakt kehrt also nicht nur beim Hunger, sie kehrt auch bei anderen
Erscheinungen wieder, und wer weiß, vielleicht ist dieser Liebesakt so sehr
Mittelpunkt alles irdischen Geschehens, dass alle Variationen und Möglichkeiten
des Lebens schließlich nur seine Symbole darstellen? Der Holländer also, nehme
ich mit Bestimmtheit an, legte sich auf die Seite und starb. Wer aber ist der
Mörder gewesen? so frage ich. Ich revidiere meine gesamte tropische Erfahrung
und gelange auf den Hunger. Wer hat sich an dem hübschen liebenswürdigen Checho
vergriffen? Wer anders als jener selbe, der vielleicht sein Glück zuerst an
einem Weißen versuchte; aber dann aus irgendeiner unüberwindlichen Antipathie
gegen weiße Menschen seine ursprüngliche Absicht aufgab? Ich stelle mir zum
Beispiel einen alten hartgesottenen roten Sünder vor, der sich nahe vor
Torschluss seinem aufdämmernden Selbsterhaltungstriebe überlässt. Ich stelle mir
sein befriedigtes Lächeln vor, wie er da satt und weise mitten in der Sonne auf
einem Steine sitzt. Und ich erinnere mich der Gefahr, in der ich möglicherweise
selbst geschwebt habe, damals, als ich mit Zana im Busch lag und ihre runden,
kleinen Brüste küsste - - - ist es denn ausgeschlossen, dass dieser Vision, wie
ich sie im Gedächtnis habe, eine recht wirkliche Tatsache entspräche? Was immer
man darüber für Hypotesen aufstellen mag, die Sache bleibt vage und auf
Spielereien gegründet. Aber man möge sich darüber nicht den Kopf zerbrechen,
denn tot ist tot und in der Wildnis gibt es keine Justiz, nur eine Moral der
Triebe und Kräfte, die Reise ist
