 ihr wohl auch die Beobachtungen, all das, was man unter der
Etikette der Analyse verstand. Wir sind zu einer syntetischen Lebensform
gekommen. Den Kombinationen ist freier Spielraum gelassen, die Kombination ist
das Merkmal dieser Zeit. Es ist eine im letzten Grunde artistische Zeit; aber
nicht dem Geschmack, sondern dem Wesen nach; denn dem Geschmack nach sind wir
natürlich. In dieser Zusammenstellung haben Sie gleich wieder den
kombinatorischen Zug. Die große Syntese bricht an. Wir stülpen Asien und Europa
und Amerika aufeinander. Und was entsteht, ist eine Menschheit. Nicht nur
Amerika ist jung; Europa ist noch viel jünger; viel jünger und seltsamer! Man
sollte Forschungsreisen nach Europa antreten, nach dem wirklichen Europa! Sehen
Sie, wir, die wir die Sehnsucht überwunden haben, wir kennen auch die Ferne
nicht. Für uns ist das eine Frage des Kurriers. Erst, wenn Sie sich den Djungle
wie einen etwas altertümlichen Boulevard vorstellen, werden Sie sich darin
zurechtfinden. Wir stolpern über keinen Teppich mehr, lassen uns von keinem
Parfüm imponieren und werden von keinem Frauenzimmer aufgebraucht. Wir sind ein
neues Geschlecht. Wir haben die Sehnsucht überwunden. Wir verstehen unsere
Vorgänger, die wir selbst einmal gewesen sind, nicht mehr. Wir lesen diese
Bücher. Nein, wir verstehen sie nicht. Sie ärgern uns. Es ist eine vorstädtische
Noblesse, den guten Geschmack, nach dem sie sich so sehr sehnten, besaßen sie
nie, denn nie besaßen sie ihren eigenen. Sie waren zu wenig hart und trainiert.
Diese Menschen haben wir aus Instinkt und bewusstermassen überholt. Wir stellen
einen neuen Typus auf, wir tragen Sorge für einen neuen Geschmack. Wir schreien
Zeter und Mordio über die alte Eleganz, wir schreien uns heiser und lassen uns
als irrsinnig auf der Gasse auspfeifen, aber weil wir ohne Sehnsucht sind und
aus praktischen Motiven handeln, weinen wir nicht nachts in unsere Polster und
machen Gedichte; sondern wir schlafen gut und stehen am Morgen mit gestautem
Blut in den Fäusten auf. Wir sind Handwerker, Meister und Zimmerleute; wir haben
Ideen, um eine ganze Generation neu einzurichten. Unsere Eleganz ist etwas
vierschrötig und solid. Können Sie sich unsere Frauen vorstellen? Sie sind wild,
grosszügig und brutal angezogen, sie haben Kittel an und kräftige Schuhe an
breiten Füßen mit schlanken Fersen. Ein solches Geschlecht kennt die Sehnsucht
nicht, aber es lebt gut. Diesem Geschlecht will ich seine Gesänge singen. Wir
werden nicht mehr aus Sehnsucht produktiv. Wir wollen nicht besser sein, als wir
sind, aber just so gut, als wir es von uns verlangen dürfen. Wir glauben mit
Vergnügen an geriebene Deutungen dieser sichtbaren Welt, Metaphysik ist wieder
unsere Leidenschaft. Aber, Sehnsucht, nein, aus
