 ist, die Allmählichkeit einer Wirkung tropischer Zustände auf ein
nordisches Nervenleben festzuhalten; oder als Frage gestellt: Wie kann man auf
distinguierte Weise verrückt werden?
    Ruhe! »Die seltsamen, tiefen Einblicke in mein Inneres, die mir während der
verschiedenen Phasen der Reife gewährt werden, bringen mich gleich das erstemal,
damals als ich die Sprache des Waldes, die leben heißt, zu verstehen beginne,
auf die Idee, dass es sich um eine Art erotischer Vertauschungen, eine Art etwas
gescheiterer Hysterie handelte. Heute denke ich, dass Liebe und Erotik niemals
Untergründe, sondern Folgen sind. Man hat die Entwicklung des Menschen auf sein
Geschlechtsleben zurückgeführt und behauptet, dass der Mensch sich in eben jenem
Augenblicke mit sich zu beschäftigen beginne, da er liebe. Dies erscheint mir
nunmehr unrichtig; in dem Augenblicke, da der Mensch zur Selbstbeobachtung reif
wird, wird er erotisch; er sieht sich nach einem Werkzeug um und entdeckt es in
irgendeinem weiblichen Wesen, dessen passives Temperament ebenso stark ist, wie
sein aktives. Sie studiert ihn auf diese Weise in sich; er studiert sich in ihr.
Die erotischen Wettläufe des intellektuellen Mannes haben um so weniger mit der
Weltreise: Liebe zu tun, je höher sein Intellekt steht« - werde ich schreiben.
Ich bitte zu bemerken, dass ich referiere, die Gedanken eines von Hitze
verbrannten und zu Asche gewordenen Gehirnes wiedergebe; ich schildere einen
Mann, der inmitten gesegneter, abenteuerlicher Umstände, wie er sich einbildet,
das Buch schreibt, das er erst erleben wird. Dieser Mann war ich. Ich war mit
visionärer Kraft meiner eigenen Zukunft vorangeeilt. Ich fuhr als Schreibtisch
einen Strom hinauf und vermengte in der Geschwindigkeit ein wenig die Zeit. Mein
Gehirn aber war, zu meiner Entschuldigung sei's gesagt, der Brennpunkt eines
Dutzends ehrgeiziger Sonnen, die sich einander eine Schlacht um die
Welterrschaft lieferten.
 
                                       IV
Dies ereignete sich, dies und nichts anderes, bloße Gedanken, die eine große
majestätische Langeweile gebar, als ich eines Tages an einem südamerikanischen
Fluße unter einem dem Äquator ziemlich nahen Breitegrade, inmitten des
Urwaldes, jenen Vergleich zwischen der sich aufdrängenden Natur und dem
Geheimnis der Mütter anstellte. Würde ich meinen Zustand von damals erschöpfend
zusammenfassen, so möchte ich ihn dahin ausdrücken, dass er jeden Humores bar
war. Mit dem sauersten Fleiße, mit dem kostspieligsten Ernste stürzte ich mich
in logische Unternehmungen, die sich kaum rentierten, aber ich wartete die
Befriedigung der Voraussetzungen nicht erst ab, sondern ging ungehemmt weiter.
Es war nicht eine Spur von Humor mehr in meiner Seele. Denn der Humor ist ein
Geschöpf des Nordens und braucht das schlechte Wetter, die Veränderlichkeit und
die Laune. Die launenlose Schönheit des Lebens, diese unvariable Größe des
Südens,
