 und wenn dein Verdauungshorizont auch keineswegs weit ist, so
muss man ihm doch zugeben, dass er Rasse hat. In deine gastrischen Verhältnisse
spielt das erotische Prinzip der Ähnlichkeit hinein, das wir schon kennen. Du
hältst etwas auf erbliche Schönheit, sie allein steht dir zugleich zu Gemüte und
zu Magen. Übrigens habe ich in dir einen Typus getroffen. Er pflegt, aus einem
Mangel an Unternehmungsgeist und einem zu rassigen Appetite, die aufgelegte
Speisekarte des Lebens beiseite zu schieben und hält sich an reine Formalitäten.
Er akzeptiert nur Dinge und Geschöpfe, die ihm ähnlich sind, oder solche, die in
ihm enmaschiniert wurden. Obwohl er selbst eine technische Fusion niedrigerer
Organismen darstellt, ist er einer Weiterbildung nicht mehr fähig. Denn, merkt
euch das alle, ihr Störche auf stolzem Einbein, mit den Aristokraten ist es
heute vorbei. Sie haben ausgespielt, sie sind ein überlebter Typus. Denn nun ist
die Reihe an den Grobrassigen, den Eroberern, den Kolonisatoren und Entwicklern
mit dem schlechten Geschmacke und der Initiative des Hungers. Aus dem Chaos, aus
dem Djungle werden neue Satteiten herausgearbeitet. Gifte stellen sich als
harmlos und nahrhaft heraus. Moräste erweisen sich als ergiebig. Aus Bohrlöchern
brechen unterirdische Quellen, und die Dürste werden mehr von dem brenzlichen
Beigeschmack des Vulkanischen, des Erdinnersten und Tiefen gestillt, denn vom
kühlen Wasser. Die Formen hierfür sind vorläufig Nebensache; sie kommen noch
frühe genug. Denn all dies ist das Werk der Mischrassigen und Geschmacklosen,
der Entwicklungsbedürftigen, der Formlosen, der kecken Abenteurer und losen
Schnäbel. Sie greifen zu und haben das Leben. Sie nähren sich nicht nur vom
Gebotenen, sondern auch vom Bietenden und werden von Speisekarten fett;
Programme sind ihr Salz; denn es sind auch Dichter darunter, eine Art Dichter
wenigstens mit sehr gesunder oder doch höchst gesunder Verdauung. Wenn sie
Krämpfe haben und sich erbrechen, befinden sie sich eben erst am Gipfelpunkte
ihrer Behaglichkeit. Vor den anderen heißt dieser Zustand Poesie, und alle
gedeihen sie daran. Sie bilden und vereinigen sich zu ungeheuren Organisationen,
grosszügigen Kriegs- und Köpfmaschinen, bei denen der einzelne genau so
verschluckt wird wie ehedem. Aber das tut nichts; das Glück hat sich
mitentwickelt. Mit den antiquierten und prüde eingehaltenen Formen, aus denen
der Mensch besteht, wird kehraus gemacht. Es gibt weitaus entwickeltere Grade
von Leid, keine kräftige Seele, die auf dem Höhepunkte ihrer Zeit ist, sollte
sich vom Schreckgespenst eines leidenden Storchen in Entsetzen verwickeln
lassen, was immer Faszinierendes daran sein mag. Kusch, Seele, von einem
Menschen. Welches Schauspiel, ein vom Mitleide verlaustes Jägertemperament! Habe
Ehrfurcht vor dem Gesetze der höheren Kraft!
    Das Tier ringelt den Hals und duckte ihn in den Kropf zurück, durch
