 schräge angegilbte Wand vor unseren
Stirnen hineingesetzt, da. Fluch allen Malern und Fälschern! Das Leben war eine
Zeichnung, und Bitterkeit steigt aus den trockenen zähen Stengeln auf, die, eng
und planlos zusammengepackt, den Djungle darstellten. Alles Wesen war
erschreckend sachlich in diesem Lichte, befangen im nüchternen Ernste seines
Daseins. Blüten von unerhörter Farbe, ereignislos, reihten sich buschig auf, sie
waren ohne eigenen Glanz und Ton, gefressen waren sie von dem alles
verschluckenden, alles einschmelzenden Lichte. Bunte Arasvögel steckten ihre
Köpfe mit den wilden erregten Federgeweihen durchs Laub und fixierten uns
gehässig; lauernd vor Bosheit duckten sie sich wagrecht auf Äste nieder und
führten mit ihren angelförmigen Schnäbeln einen verzweifelten Phantasiekampf,
ein leidenschaftliches Scheingefecht gegen unsere verhasste Anwesenheit aus. Ein
Storchenpaar stolzierte in den Wassertümpeln abseits vom Stromgerinne und
harpunierte in der Frühe und am Nachmittag Frösche, Frösche als Vor- und
Nachspeise und Frösche zur Verdauung. Diese Sparsamkeit angesichts der
mutmasslichen Delikatessen des Djungles war heroisch. Aber sie lag in der Natur.
Sie bestimmte den Stil, die Entfaltung. Die unerhörtesten Mittel wurden hier nur
einer andeutungsweisen, gleichsam fleckenden Verwendung für wert gehalten. Ein
magisches Verwischen aller letztlich doch so brutalen Triebe zeichnete den Wald
aus, eine redselige Heimlichtuerei nutzte oberflächlich alle die mystischen und
tiefen Kräfte seines Getriebes. Die Natur war überschüssig, gleichsam
geistreich; darum brauchten es hier die Menschen nicht zu sein und nicht das
Faultier, das da oben mit menschlichen Gebärden, zu träge selbst zu einer
Grimasse seines ewig schnauzigen Gesichtes zwischen den dreimannshohen Stengeln
mit Bedacht emporkroch. Die Natur als Totalität war geistreich. Darum brauchten
es ihre Geschöpfe nicht zu sein. Sie durften außer Betrieb gesetzt im Schatten
liegen und gähnen und weiß Gott wie es zuwege bringen und keinen verständigen
Gedanken mehr produzieren.
    Herrgott, diese Störche speisten Frösche mit Leib und Seele, und indes war
der Djungle, ein Riesenbraten, für sie aufgetragen. Und so war diese Natur,
sparsam trotz großen Reichtums; sie war nun einmal eben gar nicht, wie man auch
denken könnte, Stil, sondern ganz Wesen, ganz Sache. Es war eine durchaus
praktische, unästetische Natur, sie kümmerte sich keinen Schimmer um den Effekt
ihrer Schönheit, sondern war ganz auf Glück eingestellt, ja, auf das Glück
sommerlicher Körper. Ich aber protestierte heftig gegen die Partei, die sie
nahm. Ich wurde krank an ihr und fühlte schwere Hemmungen aus ihren Rückständen
an Phantasie und Romantik aufsteigen. Denn in mir herrschten Frühling und
Herbst, in mir war kein Sommersein, wohl aber Frühlingswerden, ich reifte zum
Blonden, zum Prinzip des Blonden, nur Sommerglück war nicht in mir. Darum zehrte
mich der Ärger auf, das Ärgerfieber, wogegen es Chininpastillen gab, die ich mit
