. Aber
wenn sie tanzt, plötzlich aufsteht und vom Flecke weg tanzt, während wir
rhytmisch in die Hände klatschen, dann sieht sie nicht etwa mich oder Slim oder
Checho an: aus einem unbegreiflichen Grunde hält sie sich an den Dutchman, der
wieder mager geworden ist und unter der Hemdbrust und an den Gelenken sein
rosenrot gegerbtes, haariges Fell sehen lässt. Er ist mürrisch und widersetzlich
in seinen Meinungen, wenn wir, Slim und ich, unser Dimensionensystem feststellen
und ausbauen. Wir sprechen dann in deutscher Sprache weiter, ohne ihn zu
berücksichtigen. Slim behauptet, er könne manches derlei nur deutsch sagen. Zana
tanzt im Feuerschein ihre primitiven Tänze, ohne großartige Figuren, aber mit
edlen, praktischen Bewegungen, idealisierten Bruchstücken ihrer
Alltagserfahrung, und mit stark physischer Einbildungskraft. Das Repertoire
ihrer Hingabe ist nicht groß. Aber immer wieder entzückt sie durch eine neue
Idee, durch eine neue, schlagende Zote, die ihr gottesdienstlich vorkommt, von
dem Holländer aber mit Grinsen aufgenommen wird. Sie deutet Liebesberührungen an
und schüttelt ihren Kindschoss. Slim schlägt sie, sie streiten, dann kauert sie
sich verschüchtert zum Feuer und starrt in die Glut. Wir alle möchten sie
schlagen.
    Die Ermüdung zwingt uns bald in den Schlaf. Plötzlich erwache ich vom Ohre
her. Ich habe brünstige Laute vernommen und finde, dass meine Augen nass sind.
Mein Herz brennt. Ich habe keine Scham, in dem großen, verschluckenden Walde bin
ich vor der Scham versteckt, aber dünne braune Glieder, die ein anderer besitzt,
sind meinem Fleische ein Stachel. Ich bin aus Eifersucht erwacht, mein Gehirn
hat sich die Laute gemerkt, mit denen meine Sehnsucht umgeht. Ich sehe zu dem
Himmelsausschnitt empor und fixiere einen Stern. Er sollte herabfallen und das
Paar zermalmen. Ich knabbere mit den Augen an ihm herum, ob er sich nicht
loslösen lassen wolle. Und siehe da, plötzlich spüre ich es lau in meinem Munde
und meine Kaumuskeln sind gleichsam befreit, und eine Sternschnuppe segelt über
das Firmament. Ich habe sie ausgehaucht, mein Atem ist feurig von verhaltenen
Küssen. Wie eine laue Kugel quillt meine Sehnsucht mir aus dem Munde, da höre
ich mich seufzen. In diesem Augenblicke werde ich gewahr, dass das Band zu Slim
gerissen ist. Ich fühle mich allein, bin eine gesunde Persönlichkeit mit
bohrendem Lebenstrieb. Und gleich darauf erledige ich die Angelegenheit ein für
allemal. Hier unter diesem strahlend guten Himmel, mit der Brunst eines
Raubtieres im Herzen, kommt mir das Gedächtnis wieder. Ich gebe jetzt zu, dass
ich mich noch immer irren und meine Meinung wieder ändern kann. Aber entweder
habe ich bisher überhaupt nicht gelebt, dann ist alles nur ein Traum gewesen,
oder es muss stehen bleiben,
