 des spintisierenden Nordländers.
Sie sind nie Abenteurer im romantischen Verstande des Wortes, sondern entweder
Poseure knallreicher Effekte oder bornierte Spiessbürger mit zufälligen
rücksichtslosen Geschäftsprinzipien. Jeder, der eine Erfahrung um des inneren
Gehaltes willen gesucht, seine Einsamkeit im Strudel des Lebens um ihrer selbst
willen exportiert hätte, wäre gesellschaftsunfähig geworden. Die Frauen? Die
Frauen der Gesellschaft waren so glänzend und falsch wie ihre Diademe und
pfundschweren Geschmeide, sie waren kalt und ohne erotische Einbildungskraft und
benutzten innerlich stets die Hängematte zu einem faden Geschaukel. Stellt nicht
die bevorzugte Hängematte an und für sich mit ihrer halbmondförmigen Grazie die
ganze fruchtlose, für den Temperamentsausbruch vollkommen ungeeignete leibliche
und seelische Indisposition eines Frauentyps dar, dem das Symbol des
schlagfertigen, ebenso soliden als in seinen Möglichkeiten reichen Kanapees
gegenübergesetzt war? Dies aber ist die Hängematte, das Erlebnis der
amerikanischen, der westlichen Orientalin, diese Pendelbewegung zwischen Laster
und Kälte, diese unheroische Andeutung von süßesten und heftigsten Situationen,
die nicht erschöpft, ausgekostet und genossen werden. Diese literarische Art von
Liebe, die nicht bis zum letzten geht, sondern vor der Tat langsam in den Traum
zurückgleitet. Diese korrupte und gehemmte Leidenschaft, diese Süßigkeit der
Schwäche und diese Spiessbürgerlichkeit der moralischen Kraft ist die Hängematte,
die Toilette der Kreolin, ein Garn von schlechtem Blute, eine krankhafte Fläche
aus bösen Mischungen am Leibe einer Rasse. Die Hängematte war die enttäuschende
Erfahrung des Nordländers. Was dann da von mehr oder weniger bürgerlichen
Frauenschicksalen dem geübten Episodisten und forscherlustigen Chronikeur
europäischer Zirkel erreichbar gewesen wäre, war so gut wie im Fusel ersoffen
oder vom Heiratsgeschäft absorbiert. Der Glanz und Erfindungsgehalt
mitteleuropäischer Liebesverhältnisse wurde umsonst irgendwo, und sei's auch mit
Teilnahme am fremden Abenteuer, gesucht. Ich rechnete nach. Wie lange war's her,
dass ich das Leben nach mondänen Genüssen gemessen hatte? Vor einer Woche hatten
wir in einer kleinen Garnisonsstadt des holländischen Guyana die Zeit in
Gesellschaft der paar anwesenden weißen Offiziere und einiger Negerdonnas
verbracht. Vor drei Wochen hatte ich mit van den Dusen in Rio zum letzten Male
einen Tanzsaal betreten. Und vor einem Monat, genau soviel vom heutigen Tage an
zurück, war ich mit dem Manhattangirl, einem distinguiert verdorbenen
Geschöpfchen, die große Schleifenbahn, das looping the loop, in Konei Island,
immer und immer wieder abgefahren - hopp, da standen wir auf dem Kopfe, hopp, da
waren wir herum, hopp, da sausten wir die Vertikale hinunter und hatten den
Magen zwischen den Zähnen, weil er oben bleiben wollte!
    Hopp, wie meine Gedanken sprangen, wie mein Gehirn in rasend fallender Kurve
die große Schleifenbahn des Lebens nahm! Nun saß ich also hier und fühlte, dass
der Äquator tatsächlich ein glühender Reifen ist, der durch die Eingeweide
hindurchgeht.
