 sich aller lästigen Verpflichtungen zu
entledigen, indem er sich mit objektiver Eiseskälte bis ans Herz hinan wappnete.
Er sagte nämlich, höchst unlustig und gleichsam als Maßregel, den guten
rücksichtslosen Takt unseres Verkehrs festlegend: »Johnny, Sie sind ein
interessanter Mensch. Eigentlich. Aber wie kommt es, dass Sie trotz Ihres höheren
Intellekts stets mehr Unrecht in Ihren Meinungen haben, als irgendein anderer
Mensch von tieferstehender Intelligenz?« Bei diesen Worten richtete er seine
Augen geradeaus auf die Hütte Dusens, der dort im Schatten saß und aus einer
kurzen Pfeife qualmte. »Es kommt daher, dass Sie ein Deutscher sind und sich auf
keine Realität geeinigt haben. Die Deutschen sind stets um einen Grad klüger als
andere Menschen auf Gottes Erdboden. Ja ja, sehen Sie mich nicht so hilflos an.
Es ist der Natur mit dieser Überlegenheit blutig ernst. Die Natur liebt den
Deutschen offenbar, sie gibt ihm Talente, Chancen zu unerhörter Macht und zu
Glück, aber er geht daran vorbei. Der Deutsche ist universell und liebt die
Nuance; allein die Vorstellung fremder Hautfarben ist für ihn erregend und macht
ihn ehrgeizig. Er liebt den Chinesen und möchte am liebsten selbst einer sein,
weil er feine Seide trägt und inmitten eines Systems uralter Weisheit lebt.
Eines Systems; man stelle sich vor, was das für einen Deutschen ist. Er liebt
den Neger, weil er ihn musikalisch ahnt. Er erwartet nichts weniger als die
endgültige Veredelung der Welt, herbeizuführen durch die Verschmelzung der
Deutschen und der afrikanischen Musik. Und er liebt den Indianer, diesmal mit
den besten Gründen. Denn der rote Mann erinnert ihn unter den fremden Rassen am
nächsten an seine eigene Art und Mythologie. Aber der Deutsche nimmt nicht, was
zu ihm passt. Das empfände er als unetisch. Er hat eine verfluchte ordinäre
Askese im Blute, ein gottverdammtes Stück dieser Sklavenrassen, die in ihm
aufgegangen sind. Kein Volk lebt so wenig, was es denkt und sehnt, wie der
Deutsche. Er ist der interterritoriale Mensch, wie ihn der liebe Gott geschaffen
hat. Aber unter den großen Völkern ist er heute der territorial Beschränkteste.
Keiner kennt die Fremde, das Fremde, so wie er, denn er ist der
Phantasievollste; aber wo hat man schon gesehen, dass er Phantasie genug besaß,
eine Fremde zu regieren? Denn dies ist meiner Meinung nach die höchste
phantasiemässige Spannung: eine Fremdartigkeit organisch zu regieren; es ist der
Ausfluss höchsten und edelsten Herrschersinnes. Aber der Deutsche schämt sich
seiner schönsten gewalttätigen Triebe: die alte Sklavenseele rumort in ihm. Er
hat die wahnsinnige Knechtsidee, der Geist würde durch die Tat geschmälert oder
gar verneint! Als ob der Geist durch Äußerlichkeiten überhaupt zu
beeinträchtigen sei! Der Deutsche verfällt sofort
