 zurücklagen. Ich erinnerte mich an
sie, wie an eine lang vergessene Pflicht. Und ich sah Slims Gesicht hinter der
Hütte hervorlugen.
    Er musste den Kopf etwas vorstrecken, denn seine Figur blieb verdeckt; er zog
ihn auch nicht mehr zurück, sondern trat vollends hervor. Er lächelte; es schien
wohlwollend und konnte böse sein. War er eifersüchtig? Er hatte ein schönes,
tiefliegendes, ein wenig hartes Auge. Es war etwas Scham- und Scheuloses in
diesem Auge, es war frech, ließ nichts unbelastet, machte nicht Platz,
beanspruchte den ganzen Raum. Ich weiß nicht, warum mir dies gerade jetzt
auffiel.
    Slim lachte flegelhaft und ich erinnerte mich, dass er ein Yankee sei. Er
trat herzu, dozierte, und wurde mir so mystisch und unbegreiflich wie je. »Ah,
Sie studieren bei Rulc Malerei? Das ist gut, Sie können hier lernen. Lassen Sie
sich lehren, alles dies ist elementarer, als was eure Malerei bis jetzt fertig
gemacht hat. Kelwa lebt in jenem seelischen Stadium, da man noch Schragen sieht.
Die Natur hält keine schönen Reden. Wo aber sind in euren schönen Kunstwerken
die Schiefheiten, Einseitigkeiten, Zufälligkeiten? Wer sieht so aus, wie ihr ihn
beschreibt, zeichnet, malt? Eure besten und idealsten Künstler sind süssliche
Sudler gewesen. In diesen Bildern eines Barbaren liegt die einzige Humanität.
Sie erfassen lebendige Form und die Dinge, die wahrhaft dahinter liegen. Denn,
Johnny, merken Sie sich eins: Was wir wahrnehmen, sind Entschuldigungen unserer
Sinne. Die tieferen Gründe der Reaktionen von Mensch auf Mensch liegen auf einem
anderen Planeten als diese Erde ist oder liegen um Ewigkeiten von Zukunft hinter
den Scheingründen verfrüht. Und den Urgründen ist Kelwa näher als Sie und
Ihresgleichen - er hat die Zeit und die Entwicklung noch nicht entdeckt.«
    In diesem Augenblick fand ich ihn unausstehlich. Gedanken, die ich zart und
zweifelnd in mir trug, gab er einen derben Ausdruck. Er fuhr fort. »Sie werden
dies noch nicht verstehen, nach diesen wenigen Bruchstücken meiner Anschauung.
Ich habe Ihnen zwar schon davon erzählt. Mittlerweile ist aber in mir ein ganzes
System entstanden. Wenn sie wollen ...«
    »O doch«, unterbrach ich ihn gierig, »ich verstehe schon. Dies ist ... ich
will sagen, in einer Manier von Landkarten gemalt. Aber wollen Sie behaupten,
dass ich so aussehe ... scheusslich, einfach scheusslich«, musste ich lachen.
    »No, Sir«, sagte Slim, »das ist es eben. Sie verstehen nicht über,
beziehungsweise unter den Horizont Ihrer Sprache zu blicken. Unter Sprache
verstehe ich jetzt das gesamte bildliche Ausdrucksvermögen. Die Sprache des
