
Anschauen, beobachten heißt wollen. Wir unterziehen uns einer großartigen
Suggestion. Das Wissen von Formen und Dingen ist vor der Wahrnehmung da. Im
wesentlichen liegt allem das undimensional Gestaltete zugrunde. Was ist der
einzelne Mensch? Eine Symbiose von Tieren. Dieser Kelwa besaß ein Phantoplasma,
das seiner Art von Jägerleben entsprach. Seine Art Augen heulten und
schnupperten in meinem Kopfe wie Hunde, für sie lag das Menschliche in so
wohlgefälliger Hässlichkeit ausgebreitet wie etwa auf diesem Bilde. Hat man den
Hund schon gefragt, wie die Welt aussieht? Würde er die Frauen Lionardos als
Menschenporträte erkennen und würde er überhaupt Verständliches darin vorfinden?
Wohlan, ich votierte für Kelwas Sehen. Was wir aus dem Sein analytisch
herauskriegen, ist nur eine Syntese dessen, was wir zu unserer Lust brauchen.
Kelwas Leben ist ein vollständiges System - eine Kultur. Kehre ich in der von
mir erfundenen fünften Dimension gelegentlich zu ihm zurück, gut, so ist mir das
Leben nach dreißig Generationen wieder einmal Jagd. Ich sehe Mensch und Tier
unter der verwandten Form - denn die Form ist ein Vorwand für meinen
Lebenswillen. Alle Lüste dieses Daseinszustandes versammle ich in dem Blicke,
mit dem ich sie beschenke. In meiner Dimension ist eine enthalten, die
Entwickelung heißt, das Substitut der »Zeit«. Suchen wir der »Zeit« ihre Kunst.
Denn jede Dimension habe ihre Kunst. Die Musik ist das Undimensionale, der
Punkt, das Sein an sich und der springende Punkt: die Lust. Wir haben ja jetzt
Gott sei Dank entdeckt, dass die Lust auch bei Disharmonien nicht aufhöre und dass
sie mit einem Worte allgegenwärtig sei. In der ersten Dimension haben wir die
Kunst der Linie, die Architektur. Sie ist bei den frühesten Völkern zu Hause.
Die Schwerkraft ist die Urlinie. Hat man nicht durch alle Zeiten geahnt, dass die
Architektur der nächste Blutsverwandte der Musik sei? O wie sich alles klärt!
    Kelwa ist ein großer Künstler, denn er gibt durch seine außerordentliche
dimensionale Reinlichkeit das sinngemässe Weltbild wieder. Ich werde seinem
braunen Weibe den Hof machen. Wer die Liebe aus diesem Quell schöpft ... Es ist
begreiflich, dass Kelwa den geschärften Blick fürs menschliche Prototyp hat! Wie
sie herübersieht! Es ist die Rührung selbst in ihren Augen. Er muss,
Konterstimmungen abgerechnet, ein glücklicher Gatte und Künstler sein - -
    Mit kühler Studienlust frass ich mich in die simple Symbolistik der Bilder
ein. Der schreiende Puma in seiner Leibesnotdurft mochte ein Stammeszeichen
sein. Ich bemerkte ihn in blauer Tätowierung auf dem Bauche von Madame Kelwa.
Ich schlug mich in ihre Nähe und wies, um eine Unterhaltung anzuknüpfen, mit
stummem Finger und übertrieben deutenden Blicken auf das, was an ihrem Leibe
mein Interesse anzog.
