, ein Mikröbchen, ein Flöhchen
und sog ihm alles Mark aus der einen Pore, aus der es vielleicht nur bestand.
Oder war selbst ein so wundervoll kompaktes Knöspchen mit einem prall sitzenden
Mieder von Blumenblättern, ein Kelch, der langsam die Fächer seiner bunten
Schönheit entfaltete und Nahrung und Genuss bürgerlich durch ein Domestikensystem
von Wurzeln bezog, die in der Fäulnis eines Brackwassers oder eines schwammig
gewordenen Holzklotzes häuslich ihren Herd eingerichtet hatten und mittels der
einfachen Kost der zart zubereiteten Stickstoffe jenen Appetit stillten, der
notwendig mit der Schönheit eines glutigen Rots oder wellig verblassenden
Violetts verbunden sein muss. Alle diese Lebewesen, all dies Generelle um mich
her war einmal ich. Nun lag es da, von meinem Reinlichkeitstriebe verabscheut,
die Schlangenhaut auf meinem Entwicklungspfade!
 
                                      III
Nach zwei Tagen Unzufriedenheit und Irrsinn durfte ich meine Vernunft
rehabilitieren. Mein Glaube behielt recht wider mein besseres Wissen. Indien,
das antipodische Tropenland, hat nach der Übung dieses Bewusstseins am
Technischen seines Alltags eine Weltanschauung daraus geformt: Tatwamasi: das
bist du! Nein, der große deutsche Philosoph hatte doch niemals soviel
Wirklichkeit mit seiner Vergeistigung dieses Prinzips gedeckt wie jener alte
Inderglaube. Zwischen mir und diesem Leben rings existiert nicht nur vielleicht
eine metaphysische, es existiert sogar eine sehr hervorragende, ganz materielle
Identität: In der Tat, diese Blume und ich sind weitläufige Vettern. Meine
nähere Verwandtschaft hat es mittlerweile weit gebracht, dank der günstigen
Umstände; jene hingegen hat Pech gehabt mit ihren Ureltern, und die Sünden der
Väter werden bekanntlich gerochen an den Kindern. Gehe ich konsequent in meinem
Gedächtnis zurück, lasse ich allmählich das Bewusstsein fallen, so gelange ich zu
dieser einen Tatsache: Ich bin ein naschhaftes Zellenbündel und liege im Wasser.
Sie bildet den Kern meiner Vertrauteit mit jedem somnolenten Zustande. Meine
Lauheit und mein träger Sinn finden eine Erklärung. Arbeit ist mir noch heute
zuwider, und ich liege noch heute hundertmal lieber am Diwan und rauche
Zigaretten, wenn es nicht gerade um vitale Interessen geht. Aber geht es einmal
darum, dann zeigt sich mein vegetativer Selbsterhaltungstrieb und die robuste
Kraft meiner Abstammung. Meine Nerven laufen und verzweigen sich so infam, so
raffiniert, üben sich so unermüdlich im Suchen, Fassen und Drosseln wie die
dünnen, reiherartigen Fänge von Wassertierchen, wie die empfindlichen,
schleppenden Greifarme dieser blöden, nichts als eine ums tägliche Brot
bekümmerte Blase darstellenden Quallchen. Die Lauheit des Wassers ist die meines
Blutes. Mein Herz ist ein fleischiger Sack und pumpt eine rote, warme, nahrhafte
Flüssigkeit durch sich hindurch. Schwimme ich nicht in meinem eigenen Blute, bin
ich nicht ein architektonisches Inselchen in der Strömung dieses Blutes, ein
halb daraus emportauchendes Schuppengebilde? Was tut es, dass die
Benetzungsflächen nach innen liegen, es ist die
