 sagen, der Pernat lebt noch immer«, rückt der
Fährmann endlich heraus, »er is, hör' ich. Kammschneider und wohnt auf dem
Hradschin.«
    »Wo auf dem Hradschin?«
    Der Fährmann bekreuzigt sich:
    »Das ist es ja eben! Er wohnt, wo kein lebender Mensch wohnen kann: an der
Mauer zur letzten Latern.«
    »Kennen Sie sein Haus, Herr - Herr - Tschamrda?«
    »Nicht um die Welt möcht' ich dort hinaufgehen!«, protestiert der
Schieläugige. »Wofür halten Sie mich? Jesus, Maria und Josef!«
    »Aber den Weg hinauf könnten Sie mir doch von weitem zeigen, Herr
Tschamrda?«
    »Das schon«, brummte der Fährmann. »Wenn Sie warten wollen bis 6 Uhr früh;
dann geh' ich zur Moldau hinunter. Aber ich rat Ihnen ab! Sie stürzen in den
Hirschgraben und brechen Hals und Knochen! Heilige Muttergottes!«
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    Wir gehen zusammen durch den Morgen; frischer Wind weht vom Fluße her. Ich
fühle vor Erwartung kaum den Boden unter mir.
    Plötzlich taucht das Haus in der Altschulgasse vor mir auf.
    Jedes Fenster erkenne ich wieder: die geschweifte Dachrinne, das Gitter, die
fettig glänzenden Steinsimse - alles, alles!
    »Wann ist dieses Haus abgebrannt?«, frage ich den Schieläugigen. Es braust
mir in den Ohren vor Spannung.
    »Abgebrannt? Niemals nicht!«
    »Doch! Ich weiß es bestimmt.«
    »Nein.«
    »Aber ich weiß es doch! Wollen Sie wetten?«
    »Wieviel?«
    »Einen Gulden.«
    »Gemacht!« - Und Tschamrda holt den Hausmeister heraus. »Ist dieses Haus
jemals abgebrannt?«
    »I woher denn!« Der Mann lacht. -
    Ich kann und kann es nicht glauben.
    »Schon siebzig Jahr' wohn' ich drin,« beteuert der Hausmeister, »ich müsst's
doch wahrhaftig wissen.«
    - - - Sonderbar, sonderbar! - - - - - - - - - - - -
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    Der Fährmann rudert mich in seinem Kahn, der aus acht ungehobelten Brettern
besteht, mit komischen schiefen Zuckbewegungen über die Moldau. Die gelben
Wasser schäumen gegen das Holz. Die Dächer des Hradschins glitzern rot in der
Morgensonne. Ein unbeschreiblich feierliches Gefühl ergreift Besitz von mir. Ein
leise dämmerndes Gefühl wie aus einem früheren Dasein, als sei die Welt
