 runden Kindergesichtern, von denen keines dem anderen glich; vom
stupsnasigen Bauernbübchen bis zum blässlichen Stadtschulmädchen schienen alle
Physiognomien vertreten. Else machte eine wegwerfende Bewegung: »Das ist nichts.
Mittel zum Erwerb,« und auf seinen fragenden Blick, »wir müssen leben - alle
beide - und er hat keine Ahnung vom Geldverdienen, desto mehr aber vom Ausgeben.
Als ich anfing, tat ich's aus Herzensdrang; ich arbeitete für mein Kind, gab den
Puppen Gesichter, wie ich sie mir für mein Mädel oder meinen Jungen erträumte,
dann -« sie brach ab und trat vor einen großen Glasschrank, den sie öffnete,
»jetzt ist mein Geheimnis hier.«
    Mit mattblauem Samt waren Wände und Regale ausgeschlagen, von denen die
hellen Figuren davor sich duftig abhoben. Waren es Puppen, Elfen, verzauberte
Märchengestalten? Sie trugen Kleider von Brokat und vergilbter Seide und
Spinnwebentüll; Schleier und Kronen, Blumenkränze und Nonnenhauben auf dem
flachsgelben Seidenhaar; ihre Gesichter waren blass, kränklich, übernächtig, mit
großen stummen Augen und mattrosa Lippen; ihre mageren Arme liefen in
langfingrige Hände aus - solche Hände, die nichts mehr halten können, so schwach
sind sie - und ihre Beine waren schlank und dünn in den Fesseln, dass
Generationen von Königen nötig gewesen sein mussten, um diese Feinheit
hervorzubringen. Nie hätten diese Frauen Mütter, diese Männer Krieger sein
können. Sie waren nur schön, von letzter, vergeistigter Schönheit. Mitten unter
ihnen, als wäre sie die Herrscherin, saß auf hochlehnigem Stuhl ein Prinzesschen
in kurzem Spitzenkleid, goldbraune üppige Locken, von zartem Perlenkrönchen
geschmückt, umrahmten das Gesicht, das noch blasser, noch schmaler war als das
der anderen, und die Beinchen waren auch viel, viel dünner als die der Könige
und Königinnen ringsum; das Prinzesschen war viel zu vornehm, um ihre Füße mit
der rauen Erde in Berührung bringen zu können; sie war die letzte Blüte des
alten Stammes.
    Konrads Blick blieb allein an ihr hängen. Vorsichtig nahm er sie in die
Hand, drehte und wendete sie sanft wie etwas sehr Liebes. »Gina!« flüsterte er
selbstvergessen. Dann erst entsann er sich der Schöpferin dieser Traumwelt. Mit
einem Blick, der Frage und Staunen und Bewunderung zugleich ausdrückte, sah er
sie an.
    »Muss nicht jeder Mensch, wenn er nicht verarmen will, sich auf diesem allzu
hellen, allzu lauten Planeten einen Winkel schaffen, in dem seine verfolgte
Phantasie Alleinherrscher ist? Müssen wir nicht den Quellen in uns, denen die
Blumenwiese versagt wurde, die sie tränken sollten, irgendwo einen Brunnen
schaffen, damit sie uns nicht zersprengen?« antwortete sie ihm; er hielt noch
immer das Prinzesschen auf dem roten Stuhl in der Hand. »
