 Sie waren für ihn bestimmt. Die ersten!« Zwei große Tränen rollten über
ihre Wangen. Konrad griff nach ihrer Hand und führte sie an die Lippen: »Else,
liebe Else!« flüsterte er. Mit einer mütterlichen Bewegung strich sie ihm die
Haare aus der Stirn: »Großes Kind!«
    Dann saßen sie vor dem Ofen, dessen Feuer sie rasch noch einmal entzündet
hatte, denn sie fror trotz der Frühlingsluft.
    »Das ist: die freie Ehe,« begann sie leise und schwieg wieder.
    »Sie sind allein - zu viel allein,« meinte er. Ein verlorenes Lächeln
spielte um ihren blassen Mund: »Eheleute, meinen Sie wohl, müssten immer
beieinander sein?! Dass die Ehe sie dazu zwingt, ist ihr Fluch. Ich glaube,
aneinandergekettete Sklaven müssen sich schließlich hassen, selbst wenn sie die
zärtlichsten Brüder gewesen waren. Auch ich will frei sein, wie ich seine
Freiheit achtete, nur,« ganz vergrämt sah sie in die spielenden Flammen, um erst
nach sekundenlangem Verstummen aufs neue fortzufahren: »Sie kennen seine
Grundsätze - er hat keine, die er nicht lebte, die das Leben ihm nicht zuerst
diktiert hätte. Er liebt mich, er kann nicht los von mir. Er kommt immer wieder
zu mir zurück - immer wieder - seit Jahren. Vielleicht hat er recht - in allem!
Mein Verstand sagt ja. Aber mein Herz wird niemals aufhören, nein zu sagen,
nein!«
    »Sie glauben auch an die - andere Treue?« frug er. Wie seltsam ihm zumute
war: Die dunkle Nacht, das dämmrige Zimmer, allein mit dem Mädchen, die im
Schein der kleinen verhängten Lampe vor ihm saß, ein süßes Traumbild. Nur auf
ihren Händen, den kleinen weichen Händen, deren Berührung auf seinem Haar er
noch spürte, lag das volle Licht.
    »Glauben? Wie sollte ich?« spottete sie wehmütig. »Ich weiß nur, dass ich sie
halten muss, dass Liebe Eins ist für mich, vielleicht für alle Frauen. Das ist ja
gerade das Grässliche, über das ich nie hinweg kann: ist sie wirklich beim Manne
zwiespältig, ist für ihn ein Spiel, eine Befriedigung flüchtigen Begehrens, was
für uns Gipfel ist und Erfüllung, dann gibt es nur den Kampf und nie die
glückliche Einheit der Geschlechter.«
    »Ich möchte glauben,« meinte er in Erinnerung an seine Kämpfe, seine
Niederlage und seinen Sieg, dunkel errötend, »dass wir uns zu Ihrer Auffassung
erziehen könnten und - müssten.« Sie sah auf, neuen Glanz in den Augen:
    »Und das sagt ein Mann wie Sie, in der Blüte der Jugend!« Nun stockte sie
wieder
