 beide Gymnasiasten gewesen, die wie die anderen ihre weichen Gemüter
mit dem Panzer der Skepsis und Kühle umkleidet hatten, um ja nicht für
unmännlich zu gelten; der Krieg hatte ihn gesprengt; die Tore ihrer Seelen
standen weit offen allem, was rein und groß war. Konrad hätte sie in Erinnerung
an seine eigenen siebzehn Jahre beneiden können, wenn die Erkenntnis ihres
Wesens, von dem die Zeit alles abspülte, was ihm an Alltag schon angehaftet
hatte, ihn nicht mit so stolzer Zukunftszuversicht erfüllt hätte.
    »Alle, die sich einer großen Sache opferten,« sagte er einmal zu ihnen,
»haben sich vorher kasteit, um jener Entsagung willen, die das ganze Ich auf
einen einzigen Punkt konzentriert: die heilige Tat.« Und von da an erinnerten
sie einander, wenn der Unmut sie wieder zu übermannen drohte, scherzend an die
Pflicht der Kasteiung.
    Weniger leicht war es, sie von der praktischen Notwendigkeit vieler
untergeordneten Massnahmen und Übungen zu überzeugen.
    Er stieß auf stets erneuten Widerspruch, wenn er erklärte, dass ohne einen
Drill bis ins kleinste, der jeden unbedeutenden Handgriff so lange einübt und in
alle übrigen einordnet, bis er zu einem völlig mechanischen wird, ohne eine
pedantische Ordnung, die jedem Dinge den unverrückbar gleichen Platz anweist, so
dass keine Sekunde Zeit unnütz verloren geht, ohne eine eiserne Disziplinierung,
die sich auf jede einzelne Handlung, ja auf jede Körperbewegung erstreckt, ohne
einen Gehorsam, der dadurch geübt wird, dass er die persönliche Neigung in
scheinbar nebensächlichen Dingen bändigt, ein Heer niemals zum unbedingt
zuverlässigen Werkzeug in der Hand des Feldherrn zu werden vermöchte.
    »Das mag früher richtig gewesen sein,« warf Hans Gerwald ein, dessen
Schulwissen kein bloßes Gepäckstück war, das er mitschleppte, sondern sich in
ihm zu etwas Lebendigem geformt hatte, »wo die Armeen klein und übersichtlich
gewesen sind, jetzt, wo Millionen im Felde stehen, kann der einzelne nicht nur
ein Werkzeug, sondern muss ein denkender Kopf, ein lebendiger Wille sein.«
    »Ganz gewiss!« antwortete Konrad, »aber es war eben einer der größten
Trugschlüsse der Vergangenheit, dass die Freiheit im Äußeren Freiheit im Inneren
bedeutet. Erst die Mechanisierung des Daseins im Nebensächlichen, die unbedingte
Herrschaft über alles Technische, befreit die Kräfte der Seele von allen
Bindungen, sichert die Unerschütterlichkeit des Muts, der Ausdauer, der
Siegeszuversicht.«
    Allmählich überzeugten sich die beiden jungen Soldaten von der Richtigkeit
seiner Auffassung, aber weniger infolge seiner Überredungskunst - denn so leicht
es auch war, ihr Gefühl zu entflammen, so schwer war es andererseits, ihrem
kritischen Verstand eine andere Richtung zu geben -, als infolge der Einsicht,
die ihnen die Ereignisse der Nähe und der Ferne vermittelten.
    So klein
