 Form,« entgegnete mit einem fast geringschätzigen Achselzucken
Pawlowitsch, »wir sollten andere suchen, solche, denen erst der Inhalt Form zu
verleihen vermag.«
    Die beiden Freunde hatten zuhörend dabeigesessen.
    »Sie gehen, wie mir scheint, Fräulein Gerstenbergks Frage aus dem Wege,«
warf Warburg dazwischen. Pawlowitsch sah mit vielsagendem Blick ringsum; der
enge Garten mit den dicht aneinander gerückten Tischen hatte sich gefüllt; man
berührte den Nachbarn mit Rücken und Ellenbogen.
    »Sie kennen das Sprichwort von den Perlen und den Säuen,« spottete Else, »es
gehört zu den wenigen Grundsätzen von Pawlowitsch.«
    »Ich hasse es,« fiel Konrad mit so starker Betonung ein, dass sich aller
Blicke ihm zuwandten. »Von Perlen verstehen die Schweine nichts, was schadet es
also den Perlen, wenn sie vor ihre Füße fallen? Aber vielleicht wäre ein armer
Dichter Hungers gestorben, wenn er sie nicht im Vorübergehen gefunden hätte? Wer
nicht verschwenden kann wie die Natur, die Milliarden von Lebenskeimen
verstreut, damit Hunderte aufgehen, der,« - er stockte, es schien ihm unhöflich,
seiner feindseligen Stimmung gegen den Russen Ausdruck zu geben.
    »Nun?!« lächelte Pawlowitsch sarkastisch, »Sie strafen Ihre eigene Theorie
Lügen, wenn Sie die letzte Ihrer Perlen verschlucken.«
    »- ist selbst ein Bettler,« vollendete Konrad scharf.
    Der Russe maß ihn statt aller Antwort von oben bis unten und wandte sich mit
einer Wendung, die den Stuhl ins Wanken brachte, an Warburg.
    »Sie sind stets der Klügere: Sie schweigen,« sagte er. »Kommen Sie morgen
abend in meine Vorlesung? Nicht um ihrer selbst willen. Ich spreche über
deutsche Literatur. Eine alte Liebe; aus meiner Berliner Studentenzeit. Aber
eigentlich eine Unverschämtheit von einem Ausländer. Trotzdem wird Sie's
interessieren. Wegen des Publikums. Ich habe ein paar klare Köpfe unter den
Hörern. Arme Grossstadtjungens. Mit festen Zielen, ohne Träume.«
    Warburg nickte: »Gern. Jede neue Welt, die sich eröffnet, ist eine
Bereicherung.«
    »Das hätten Sie nicht tun sollen,« flüsterte Else indessen Konrad zu. »Er
opferte alles seinen Idealen, und was er jetzt zuweilen sagt, enthüllt nur sein
verbittertes Gemüt. Gerade Ihnen könnte er vieles geben.«
    Konrads Stirn rötete sich. Er bereute seine Schroffheit. Mit welchem Recht
hatte er sich ein Urteil herausgenommen, er, der nichts, gar nichts war!
    »Wie meinen Sie das?« frug er in aufrichtiger knabenhafter Bescheidenheit.
    »Ich sehe nur, dass Sie sehr jung sind,« antwortete sie.
    »Und töricht und leer, wollen Sie sagen.«
    »Töricht - vielleicht! Aber
