, dass Warburg allmählich müde in sich zusammensank, und umfasste leise
seine nervöse, blutleere Hand, die auf der Stuhllehne lag. »Walter,« sagte er,
in seine Stimme alle Weichheit seines Empfindens legend, »wir haben beide viel,
haben alles verloren. Meinst du nicht, dass wir zu allererst diesem Leben, das
einen subjektiven Wert für uns nicht mehr besitzt, einen tieferen Inhalt geben
sollten, dass wir ja sagen sollten zum Schicksal, rückhaltlos ja? Ich glaube, wir
haben noch etwas zu tun. Und auch etwas zu finden, das wir wie arme Blinde
suchten: Die Lösung des Zwiespalts zwischen uns und der Welt, die innere Einheit
allen Lebens. Die alten Ideale sind schal geworden - weißt du noch, dass du mir
das sagtest? Es gilt, für neue, die vielleicht die kommenden Geschlechter zu
göttlicher Begeisterung berauschen werden, die Trauben zu keltern.« Er stockte.
Walters Kopf senkte sich tief.
    »Kannst du mir heute nicht verzeihen, dass ich dich einmal kränkte? Sieht
nicht aller persönlicher Hader, an dem Ungeheuren gemessen, beschämend klein
aus?« In diesem Augenblick fühlte er, wie des Freundes Hand sich mit festem
Druck um die seine schloss. Er atmete auf wie befreit. »Und nun erfüllst du auch
die Bitte, die mich zu dir geführt hat, nicht wahr?«
    Warburg nahm das Hörrohr und erhob sich. »Du willst -?!« frug er, den Blick
seiner Augen suchend, als traue er der Sprache des Mundes nicht.
    »Den Tod suchen? Nein!« antwortete Konrad; »das wäre vermessen, wo das Leben
jedes einzelnen einen höheren Wert, eine tiefere Bedeutung bekommen hat. Aber
mich ihm stellen - gewiss!«
    Und nun schwiegen beide. Ohne auf Konrads steigende Ungeduld acht zu geben,
untersuchte ihn Warburg gründlich. Endlich steckte er die Instrumente ein. »Du
bist gesund,« sagte er, »bis auf -«
    Aber Konrad ließ ihn nicht weitersprechen. »Gesund!« wiederholte er jubelnd,
»nun aber komm, komm! Viel zu lange waren wir zu zweien, wo man nur noch zu
Hunderten sein darf!«
Jene große Straße, - die einzige der jungen Weltstadt, die gesättigt ist von
Erinnerungen, und sonst selbst an Sonntagen die königliche Würde, die sie wahrt,
auf die Ströme derer überträgt, die sie durchwandern - lag heute wie ein Kranker
im Fieber. Es entfesselte in jenen Gruppen dort, die einander in kreischender
Erregteit zu überschreien versuchten, wilde Phantasien; es löste in den
Menschenzügen, die sich aus den Nebenstrassen ergossen, heldische Begeisterung
aus; es schlug andere, die beiseite schlichen, mit stumpfer Apathie; es
