; klug, aber nicht weise,
geschickt, aber nicht schöpferisch,« antwortete er. »Ein Teich, der in der Tiefe
liegt, wohin der Wind nicht trifft, versumpft, und Schilf und Entenflot täuscht
nur Kurzsichtigen eine blühende Wiese vor. Es bedarf des aufwühlenden Sturms, um
ihn rein und klar zu machen - auch wenn dabei den Libellen die Flügel zerrissen,
den Wasserrosen die Blätter befleckt werden.«
    »Dein Bild ist vortrefflich,« warf ihm Walter heftig entgegen, »nur, dass der
Sturm, von dem du Reinigung erwartest, statt des Blühens, das er zerstört, die
Verwesung, den Schmutz der Tiefe an die Oberfläche trägt. Alle rohen Instinkte
werden wie Verbrecher die Kerkertüren sprengen. Schon feiert engherzigster
Nationalismus seine Orgien; er ist wie eine schwärende Krankheit, die plötzlich
am Körper Europas ausbricht.«
    »Und darum - das solltest du als Arzt besser wissen als ich - seine
Gesundung herbeiführt,« wandte Konrad ein. Aber den Gedankengang Walters schien
nichts aus der Richtung zu bringen.
    »Hast du heut nacht gehört, wie sie ihr Heil durch die Straßen brüllten, all
die Germanen, die nicht einmal ihres Vaters Herkunft zu kennen pflegen?!«
spottete er. »Unter jedem ihrer Rufe hörte ich ein: nieder mit den Juden -! Ich
sage dir, wenn dieser Krieg Wahrheit wird, es wird im eigenen Land ein
moralisches Morden geben ohnegleichen!«
    Konrad schüttelte den Kopf: »Wie kannst du nur die in solchen Augenblicken
natürlichen Überhitzungen Unreifer tragisch nehmen und nationale Gesinnung mit
dem Fanatismus der Rassenpuristen identifizieren?! National empfinden heißt doch
nur, sich mit Bewusstsein wieder einordnen in die Gemeinschaft.«
    »Und im Namen dieser Gemeinschaft den niederknallen, der einer anderen
angehört, und dir nichts getan hat; oder als Arzt dazu verurteilt sein, den
Getroffenen mit allen Mitteln unserer Kunst schleunigst zu heilen, damit er
wieder fähig ist, auf andere, auf die Feinde zu zielen!« rief Warburg
leidenschaftlich.
    »Du hast recht, wenn du das im Namen der Gemeinschaft stärker betonen
wolltest,« antwortete Konrad. »In ihr hören wir auf, einzelne zu sein, sind
nicht mehr die Täter unserer Taten, nicht mehr die Opfer persönlicher
Schicksale. Wir sind Werkzeuge, Träger einer höheren Idee.«
    Warburg hob ungeduldig die Schultern: »Eine höhere Idee: andere
niederzuknütteln!«
    »Alles Leben nährt sich vom Tode, lehrte mich Jörun Egil -« sagte Konrad
versonnen. »Sollen wir um des Friedens willen tatenlos dabeistehen, wenn die
Kosaken unsere Felder zertrampeln, wenn die Franzosen im Rhein ihre Rosse
tränken, wenn die Engländer unseren Handel, unsere Kolonien schmunzelnd in ihren
weiten Geldsack stecken?«
    Er sah
