
ist Gerhard Fink, - der reine Apoll, nicht wahr? hat aber nicht mal das
Einjährige machen können - jetzt, wie Sie wissen werden, unser preisgekrönter
Flieger. Jener dort, mit dem das Fräulein Doktor walzt, war bis vor einem Jahr
Chauffeur bei den Mercedeswerken; irgendeine Prinzessin hat ihn mit ihrem Auto
gekauft und auf einigen Auslandsreisen so gut erzogen, dass er jetzt in allen
internationalen Rennen seinen eigenen Wagen lenkt. Und drüben der mit dem
Zigeunergesicht ist im Tattersall erster Stallmeister. Ja, ja -« und er lachte
verächtlich - »die intellektuellen Weiber, denen die geistigen Männer nicht mehr
imponieren, suchen sich solche, die ihnen durch ihre Körperlichkeit überlegen
sind! Sie glauben nicht, mit welch einem Gefühl der Erleichterung ich von hier
zu unsern Mädels zurückkehre!«
    Konrad wollte heftig erwidern - mochte sein Nachbar auch vielfach recht
haben, Frau Rubner, das wusste er, was über solchen Verdacht erhaben -, als
Warburg eintrat. Frau Sara ließ ihren Tänzer ohne weiteres stehen, um den Freund
mit besonderer Herzlichkeit zu begrüßen. Er strahlte noch vor Freude darüber,
als er Konrad entgegentrat.
    »Ist sie nicht wundervoll?« flüsterte er ihm zu; es war das erstemal, dass er
sein Entzücken in dieser Weise aussprach. Konrad überlegte noch, ob er Hedwig
Mendel, um ihr einen peinlichen Augenblick zu ersparen, nicht besser ignorieren
solle, als sie ihm im Vorübertanzen unbefangen zunickte.
    »Auch Sie wundern sich?!« frug sie dann lächelnd. »Ich dachte, Sie würden
begreifen, dass wir studierten Frauen nicht bloß auf dem Katheder stehen und am
Schreibtisch sitzen wollen.«
    »Ich wundere mich ja auch nicht, dass Sie tanzen, sondern mit - wem Sie es
tun, Fräulein Doktor,« antwortete Konrad mit bewusster Schärfe.
    Des Mädchens Augen in dem schmal und spitz gewordenen Gesicht verdunkelten
sich. »Meinen Sie, ich sollte dem nachlaufen, der vor einer Renetta Veit seine
Kunst prostituiert?!« flüsterte sie. Und laut sagte sie, zu ihrem bescheiden
abseits stehenden Tänzer gewendet: »Nicht wahr, Wendrutzki, jeder sucht das
Leben nach seiner Neigung. Wir tanzen -« Und mit einer fast ekstatischen
Leidenschaft, die den ganzen übermäßig schlanken Körper in Schwingung versetzte,
wirbelte sie davon.
    Frau Sara Rubner ging mit den Freunden nach Hause, nachdem sie Gerhard Fink
flüchtig vorgestellt hatte. »Mögen Sie ihn?« frug Konrad, um ein Gespräch
anzuknüpfen; die Worte Hedwigs klangen noch schmerzhaft in ihm nach.
    »Er ist der beste Tänzer Berlins,« antwortete Warburg statt ihrer, »also für
Frau Saras neuste Leidenschaft gerade gut genug. Sie konsumiert Menschen, wie
Sie wissen: je einen für jede Neigung.
