 Und
im leisen rötlichen Schein bewegte sich Frau Julia. Ihr fast unwahrscheinlich
dünnes Chiffongewand hatte einen Saum von dicken, graugelben Spitzen. Hals und
Arme schimmerten durch den dünnen Stoff. Allert sah sonst keine Frauenkleidung.
Er verstehe nichts davon, behauptete er. Aber dies hier fiel ihm durch die
Schönheit und das Raffinement doch auf. Und in ihm wollte sich der kleine Spott
rühren, den Männer haben können, wenn sie kalten Sinnes dringliche Bemühungen
bemerken.
    »Sie haben befohlen, meine gnädigste Frau, hier bin ich.«
    »Ja. Ich habe das Gefühl, Ihrer Billigung zu bedürfen zu einem Schritt, den
ich getan habe,« sagte sie, sich malerisch, schmächtig, schmiegsam in einen
Sessel drückend.
    »Was Sie tun und lassen, hat doch nur Ihr Mann zu billigen, und da es sich
um etwas schon Geschehenes handelt, käme es auch nur auf eine nachträgliche
Billigung hinaus wie beim Reichstag nach Etatsüberschreitungen.«
    »Nein, nein. Es geht schon ein wenig Sie an. Oder Ihre Mutter. Es könnte so
aussehen, als wollte ich mich mit Vorsatz gerade da in die Hamburger
Gesellschaft hineinlancieren, wo auch Ihre Mutter offene Türen fand. Ich
wünschte Ihnen zu erklären, dass es Zufall ist.«
    »Ich verstehe kein Wort,« versicherte Allert, der bemerkte, dass Frau Julia
hellgrüne Seidenstrümpfe in ebensolchen Schuhen trug. - Fabelhaft geschmackvoll,
dachte Allert, und fabelhafte Vergeudung - falls dies für mich ist.
    Frau Julia erzählte in ihrer stockenden, die Satzbildung bedenkenden Weise:
    »Mein Mann sowohl als auch ich haben einige Beziehungen zu hier wohnenden
Menschen oder könnten Beziehungen schaffen. Aber Sie wissen: jede Umwelt hat
ihre besonderen Matadore, und wer in X. eine massgebende Persönlichkeit ist, wird
eine unbrauchbare Nebenfigur, wenn er nach Z. zieht. Und ich habe festgestellt,
dass die Personen und Familien, an die wir hier geraten könnten, nicht zur
allerersten Gesellschaft gehören. Geradezu bei den Spitzen Besuche zu machen,
dazu ist hier der Rahmen zu groß. Wir haben noch kein eigenes Haus, kein Auto.
Mein Mann, dessen Klugheit ich bewundere, sagt, man muss den Gang der Geschäfte
abwarten. Da dachte ich denn, auf irgendeine andere Weise anzuknüpfen. Es gibt
ja so viele Wege. Zum Beispiel durch literarische, musikalische, wohltätige
Vereine. In den letzteren findet man erfahrungsgemäss eher die Damen der ersten
Gesellschaft als in den literarischen. Eine auswärtige Freundin riet mir, mich
an den Verein der Senatorin Amster anzuschließen.«
    »So, hat die einen Verein?« fragte er trocken. Aber er merkte scharf auf.
    »Ja, zur Rettung gefährdeter Mädchen aus dem Volke, zum Schutz unehelicher
Kinder und so
