 und das gerade deshalb so schwer besieglich ist.
- Allert sprach, mit Mühe nur allzu hörbare Bitterkeit vermeidend:
    »Sie und Ihre Mitkämpferinnen sind sehr rasch mit diesem Wort bei der Hand.
Und ich fürchte, es trifft - in Ihrem Sinn - auf die meisten von uns zu! Wir
haben uns eben noch nicht so ganz auf die neue Frau eingerichtet. Wir sind
gewissermaßen bei diesen Entwicklungen und Übergängen ganz vergessen worden!
Niemals haben sich all diese Frauen gefragt: was sagt der Mann dazu? Berauben
wir ihn nicht? Dadurch, dass wir sein Leben öder machen und ärmer an Illusionen
und Poesie? Ganz einfach: der leidende Teil sind wir, jawohl, das sind wir, mag
uns unser Verstand noch so viel Einsichtsvolles vorpredigen, dass das edel und
groß und nötig sei, was viele von diesen rastlosen, aufopferungsfähigen Frauen
tun. Aber unsere Empfindung sagt nun mal dagegen: von meiner Frau mag ich solche
Arbeit nicht getan sehen. Meine Frau soll mir stillen Frieden und Glück ins Haus
bringen, sie soll sich allein mit mir und ihren, meinen Kindern beschäftigen.
Und wenn dies Egoismus ist, kann man vielleicht sagen, es ist der gesunde
Egoismus. Der unbewusst über den Bestand der Familie wacht, deren Gründung immer
schwerer wird, ja wohl auch dank der neuen Frau.«
    Nur Frau Julia fühlte, wusste, dass hier zwei leidenschaftliche und starke
Menschen miteinander fochten, um den Weg zueinander zu finden. Sie werden ihn
nicht finden! dachte sie triumphierend. Die anderen Zuhörer dachten, es sei ein
kleines Wortgefecht.
    »Meine Mutter zeigt, dass man beides, soziale Arbeit und völligste
Pflichterfüllung in der Familie, vereinen kann. Zum Beispiel ist es ihr doch
auch ein Opfer, nicht auch öffentlich für Marya Müllers Vortrag über Stimmrecht
einzutreten. Sie bringt das Opfer der Stellung ihres Mannes und begnügt sich, in
der Stille ihrer Überzeugung förderlich zu dienen.«
    Dies endete das Gespräch, schlug ihn einfach auf den Mund. Was sollte ein
Mann von Takt hierauf antworten vor Zeugen?
    Oh, könnte ich sie nur einmal allein sprechen, wie wollte ich die Worte
finden, ihr zu sagen, dass dieser sachliche, kluge Friede im Leben ihrer
Pflegeeltern etwas anderes ist als das Glück, von dem ich träume.
    Aber Allert sah und sprach sie ja nie allein. Und er wagte nicht, ihr eine
Möglichkeit dazu vorzuschlagen - solche in der Wohnung seiner Mutter
herbeizuführen - das wäre nicht gegangen, ohne eine vorherige Verabredung mit
seiner Mutter. Der bloße Gedanke an etwas derartig Inszeniertes war ihm schon zu
plump. Das Feinste, Zarteste, Keuscheste auf der Welt musste in Verschwiegenheit
wachsen, wohin es wollte, der Blüte oder dem Untergange zu. -
    Nicht
