
Donner eines schweren Geschützes.
    »Holla! Die Supp ist gar!« Mit diesem Schrei sprang Malimmes zu seinem Gaul
hinüber. Ein Ruck an den Gurten, dann saß er im Sattel, mit dem Bidenhänder vor
der Brust, in der Hand das blanke Kurzeisen. So jagte er durch den Hof des
Leutauses. Er sah noch, wie Herr Franzikopus sehr aufgeregt mit den Armen
winkte. Und einen der zwölf Hämischer, die gerade davontrabten, hörte er auf der
Straße schreien: »Höi! Mit uns! Befehl des Hauptmanns: durch das
Schwarzenbachtal nach Plaien!«
    Malimmes brüllte: »Reitet dem Teufel zu!« Und riss den Gaul herum, gegen die
neue Schanze beim Windbach. Er wusste, dass er eine nutzlose Dummheit machte, die
ihn Freiheit und Leben kosten konnte. Aber machen musste er sie, musste sich
wehren gegen einen fallenden Berg, musste mit dieser sinnlosen Tapferkeit
lächerlich werden vor sich selbst.
    Auch bei der Windbacher Schanze war Aufruhr und Streit, die Spiessknechte des
Herzogs wollten nach Plaien abmarschieren, die Söldner des heiligen Zeno wollten
es hindern. Malimmes ritt in den Schwärm hinein und schrie: »Das Schanzentor
auf! Ich muss nach Kundschaft reiten. Herr Franzikopus hat's geboten. Gotts
Teufel, das Tor auf!« Man hob die Sperrbalken, und Malimmes jagte über die freie
Straße hinaus. So lange der Wald dauerte, musste der Gaul rasen, als hätte er
Feuer unter dem Schweif. Bei den freien Wiesen der Strub waren die Kräfte des
Tieres erschöpft. »In Gottsnamen, so verschnauf! Ist doch eh ein Unsinn!« Bei
dieser klugen Einsicht brannten dem Malimmes die Augen vor Sorge. Immer lauschte
er und spähte. Nichts war zu hören, nichts zu sehen, was seine Sorge hätte
mehren können. Diese kühle Helle kam wie schöner Friede. Nur über den steilen
Wiesen droben, wo die Straße zum Hallturm liegen musste, dampfte ein graues
Gewoge. War's Morgennebel? Oder die Staubwolke eines Reitertrupps?
    Dem Malimmes kam wohl der weise Gedanke, den Gaul über das Gehänge
hinaufzuführen und die nach Plaien laufende Straße zu suchen. Da wäre er seines
Lebens sicher gewesen. Das wusste er. Und dennoch begann er wieder den
erschöpften Gaul zu treiben und hetzte über die Straße hin, die nach
Berchtesgaden und zum Haus des leidenden Amtmanns führte. Er kam an
niedergebrannten Höfen vorüber, an einer Staude, bei der zwei übelriechende
Schläfer lagen, erschlagene Bauern, von deren Leibern beim Nahen des Reiters ein
Krähenschwarm davonflatterte. An solche Bilder war Malimmes gewöhnt. Sie hielten
ihn nicht auf. Und er hatte zu denken. Immer musste er sich fragen, wie die
herrische Katzmauserei dieses Morgens zusammenhinge? Und warum er
