
    Aber da trat mein Gönner und Fürsprecher, der Meister Eberhard vor, zog
seine feine Börse und zahlte für mich die Buss; bat auch, man mög mich nunmehr
freigeben, er würd schon für mein Unterkommen sorgen.
    Noch war aber der Lackenschuster da; denn die Herren des Gerichts hatten
sogleich ein Schreiben nach Sonnenreut gehen lassen, und die Gerechtigkeit lief
ihren Gang genau nach dem Buchstaben.
    Allein, auch in dieser Not kam mir mein Gönner zu Hilf. Er gab Bürgschaft
für mich, dass dem Lackenschuster gebüßt würde, was recht wär; und bat zugleich
um Kundschaften für mich, die es mir möglich machten, in der Welt fortzukommen;
darauf das Gericht nach einer Weil und nach geheimer Aussprach Ja und Amen sagte
und mich freigab.
    Meine Feder mags nicht beschreiben, wie froh und glückselig ich in jener
Stund war! Konnt auch nicht anders, musst noch eine Fürbitt einlegen für den
Magister, der ja die wahre Ursach meiner Befreiung gewesen.
    Hab nicht an Worten gespart und damit auch eins erreicht, dass er nämlich
nicht dem peinlichen Gericht übergeben, sondern nur als ein Landstreicher nach
Darmstadt expediert wurde, wo er aber leider nicht lang verblieb und eines Tags
zu Berlin als ein Hochstapler ins Zuchthaus wanderte.
 
                         Lehrjahre und glückhafte Zeit
Ich war also nun wieder frei und ledig, brauchte nimmer einen Bauernbuben und
Viehhüter, auch nimmer einen Malergesellen zu machen, sondern zog ein in das
Haus des Chirurgus Waltermair als der Gehilf, Schüler und Jünger des würdigen
und herzlieben Meisters Eberhard.
    Bin leichtlich an die zehn Jahr bei ihm gewesen in der dämpfigen, niederen
Dachwohnung, daselbst mir wohler zumut war denn im schönsten Palast.
    Wir hatten vier Stuben samt einer Rumpelkammer, darin männiglich
beieinanderlag und stand: Männer, Weiber und Kinder; der heilige Michael neben
der Aphrodite, der Churfürst Karl Theodor zwischen zwei Meerweibern; gipserne
Engel neben hölzernen Heiligen und nackte Musen zwischen geharnischten Rittern.
    Eine leichte Staubschicht lag auf allen Gestalten, und Spinnen hatten ihre
feinen Netze und Fänge von einem zum andern gezogen.
    In dem Schuppenhelm eines Ritters aber hatten die Spatzen ihre Heimstatt
genommen und flogen eifrig durch eine zerbrochene Dachluke ab und zu.
    Zu ebener Erden war die Werkstatt, darin mein Meister tagaus, tagein
schaffte und schuf, meisselte und schliff, Neues entwarf und Altes vollendete.
    Hier wies er mir, den Stift zu führen und das, was mir vorschwebte, im Bilde
festzuhalten; hier wuchsen aus ungefügen Holzstöcken und harten Marmorblöcken
edle, feine Gestalten und gaben mir in ihrer reinen Schönheit und Vollkommenheit
stets neuen Ansporn und neue Kraft zum Wirken und Schaffen.
    dabei drückte mich keine Sorg ums Tägliche; denn die liebwerte und vornehme
Gemahlin meines Meisters hielt mich gleich einem Sohn und schaffte sich viel
Plag
