 ganz bestimmt kein großer Unterschied.«
    Und ihm war so, als sähe er in das Innere vieler Sterne - und er staunte.
    »Wenn das der Biba könnte!« dachte er, »wie würde der sich freuen! Doch es
ist zu viel zu sehen. Besonders in der Sonne! Daraus wird man nicht so schnell
klug. Es ist da Alles so kompliziert, dass ich wohl begreife, warum die vielen
Planeten immerzu um die Sonne kreisen; sie wollen das sehen, was sie noch
niemals gesehen haben - das Neue - das Kolossale - das Überwältigende. Das
Überwältigende erzeugt immer so wie die Kugeln und Räder - diese Symbole des
Unendlichen - den allergrössten Rausch. Das Erkennen erzeugt nicht den größten
Rausch. Wenn das doch alle Wesen erkennen könnten - dieses Erkennen dessen, das
nicht erkannt werden will und garnicht erkannt werden soll.«
    Wieder verwirrten sich Lesas Gedanken.
    Er fühlte nur, dass er sich immerzu drehte, und empfand einen seligen
Rauschzustand. Und er freute sich darüber.
Dann - kams ihm so vor - als spräche was neben ihm - in einer geheimnisvollen
Zeichensprache. Und ihm war so, als verstände er die Zeichensprache.
    »Du willst wissen«, glaubte er zu vernehmen, »warum die Planeten die große
Sonne umkreisen. Oh - sie ist nicht nur groß - sie ist auch so gütig! Das ist
das Wichtigste. Sie gibt Licht und Wärme in Hülle und Fülle. Sie ist tätig für
alle, die sie umkreisen. Ihre Tätigkeit für die Andern - das ist ihre Güte. Sie
belebt alles - auch das Kopfsystem des Pallas - und Dich, s, ebenfalls.
Fühlst Du nicht, was die große Sonne denkt?«
    s sammelte sich und schaute mit seinen neuen Sehorganen ganz heftig in
die Sonne hinein, und da wars ihm so, als spräche die große Sonne zu ihm. Er
horchte - Und er hörte, dass sie sprach. Aber er verstand nicht, was sie sprach.
Da wurde er traurig.
Dann vernahm er deutlich abermals Worte in seiner Nähe - sie sagten:
    »Eine der größten Weisheiten unsrer großen, eigentlich nicht so ganz gütigen
Sonne ist die, dass nur Schmerz und Qual als die größten Glückserzeuger
bezeichnet werden dürfen. Wir haben kein Recht, uns vor dem Entsetzlichen zu
fürchten. Das Entsetzliche führt uns doch immer weiter. Es wandelt uns um. Und
wir sind nicht imstande, uns umzuwandeln, wenn wir Schmerz und Qual fliehen.
Höre nur, was die Sonne Dir jetzt sagen wird!«
    Und s hörte nach einer Weile klare Töne und dann diese Worte:
    »Fürchtet nicht den Schmerz - und fürchtet auch nicht den Tod.«
 
                           Dreiundzwanzigstes Kapitel
Die Sofanti-Musik verstummt.
