 - es dürfe
sich dennoch keiner vermessen, in Wahnmoching der Erste sein zu wollen. Und auch
das soll Hofmann heimlich angestrebt haben, wenn auch nicht für sich, sondern
eben für den Meister.
    Wer recht, wer unrecht hat, was in diesem Labyrinth von Konflikten billig
oder unbillig ist - wer wollte das ergründen? Man hat ja auch, wie mir der
Philosoph einmal sagte, in Wahnmoching von jeher das Licht der Vernunft
verschmäht und ein mystisches Dunkel vorgezogen.
Die Beunruhigung der Gemüter ist aufs höchste gestiegen. Bleich und verstört
sieht man den Professor umhergehen, verängstigt, aber immer noch mit dem
fanatischen Blick die Jadwiga, finster den Rabbi und wehklagend die
Kappadozierin. Hallwig selbst bleibt wie immer unsichtbar, aber ich begegnete
verschiedentlich Delius auf dem Wege nach seiner Wohnung, die jenseits der
kosmischen Wiese liegt. Er hüllte sich dicht in seinen Mantel, der immer mehr
einer Toga gleicht, und ging verschlossen seiner Wege, als ob er zu einer
Verschwörung eilte. Man sagt, dass die beiden jetzt eine letzte und endgültige
Auslese träfen, denn das Kapital für die heidnische Kolonie stehe ihnen
tatsächlich zur Verfügung. Delius habe eine Liste der in Betracht kommenden
Teilnehmer aufgesetzt, aber Hallwig fast alle Namen wieder gestrichen. Denn seit
der Zionismus hereingespielt hat, ist er sehr misstrauisch und hält fast alle für
Juden - selbst Heinz, weil dieser sich gegen die Behandlung des Sonnenknaben,
als seines Vetters, aufgelehnt hat.
Und auch Maria ist nun gerichtet. Man stellte sie noch einmal vor die Wahl, mit
allen zu brechen, die ihre einst gepriesene heidnische Seele gefährden - seien
es gewesene Sonnenknaben, Verräter mit zionistischen Tendenzen oder nur
friedfertige Vampire (der Vampir steht noch eine Stufe tiefer als der
Molochitische, denn ihm fehlt die zersetzende Kraft, dafür nährt er sich von den
enormen Substanzen anderer. So gilt zum Beispiel Willy für einen Vampir, warum
weiß niemand, und er selbst spricht nicht gern darüber. Deshalb ist auch das
ganze Eckhaus mit einbezogen).
    Wir waren alle beisammen, als das Schreiben, welches diese Bedingungen
enthielt, abgegeben wurde; wir saßen dabei, während Maria es las und Susanna
über ihre Schulter mit hineinsah, denn der Panter hatte es abgefasst. Man hat
ihm das Ressort der Katastrophen und Brüche übertragen. Aber Maria hatte ihren
großen Moment, sie sagte: nein, das könne sie nicht.
    Dann hatten wir ihretwegen noch schwere Stunden zu überstehen. Sie entschloss
sich am Abend, noch einmal zu Hallwig zu gehen und ihn zur Rede zu stellen. So
kalt und offiziell durch einen Brief von fremder Hand wollte sie nicht mit
diesem Teil ihres Lebens abschließen. Äusserlich war sie sehr ruhig, trotzdem
fühlte man, dass eine furchtbare Spannung in ihr war,
