 damit beginnen, als dicht hinter ihm ein entsetzliches Gebrüll
ertönte und ein ungeheures ziegenbockähnliches Tier mit ellenlangem, bis auf die
Erde herabhängendem Bart auf ihn zustürmte. Entsetzt ergriff er die Flucht, denn
es schien ihm wohl möglich, dass ein böser Dämon sein Spiel mit ihm treiben
wolle. Und als er nach einer Weile wieder zurückkehrte, fand er nur noch das
zertrümmerte Weingefäss am Boden, alles andere, auch das Ungeheuer, war spurlos
verschwunden. - Ihr Lächeln ist nicht am Platz, Doktor... es wurde später dahin
aufgeklärt, dass gerade unter der Stelle, wo er verweilt hatte, sich ein altes
Grab befand.«
    »Sagte nicht jemand, es könne vielleicht der große Pan selbst gewesen sein?«
fragte die kappadozische Dame eifrig, aber der Dichter warf ihr einen strafenden
Blick zu und sagte mit großer Bestimmtheit: »Darüber ist mir nichts bekannt.«
    »Sollte unser gemeinsamer Freund Delius sich in diesem Falle nicht doch
etwas getäuscht haben«, äußerte Gerhard nach einer Pause, und der Dichter
entgegnete:
    »Ich weiß nicht, wie Sie das meinen - aber es möge sich jeder die Welt der
Erscheinungen deuten, wie er will. Das sind für uns nur Symptome seines Wesens.«
    Die Kappadozische sah ihn nachdenklich an: »Und sicher gehen wir jetzt einer
Zeit entgegen, die es wieder lernen wird, sie im Sinne des Lebens zu deuten.«
    Gerhard seufzte ein wenig:
    »Ja - ja - das wäre allerdings sehr zu begrüßen, gnädiges Fräulein.«
    Wir sind dann zusammen fortgegangen.
Wie oft schon habe ich hier sagen hören: wir gehen Zeiten oder einer Zeit
entgegen, die...
    Es ist nicht lange her, da klang es mir fremd und unverständlich in die
Ohren - mich dünkt, ich habe rasch und viel gelernt. Vor einem Monat noch hätte
ich wohl ratlos den Philosophen aufgesucht und ihn gefragt: was für Zeiten denn
- und wieso? Jetzt weiß ich, um was es sich handelt, weiß und begreife, dass man
von der Wahnmochinger Bewegung eine große Erneuerung des Lebens erhofft und
erwartet. Dem Laien mag es fast wie eine Redensart klingen, mit der schon
unzählige Bewegungen ihr Programm eröffnet haben, aber für den Wissenden besteht
kein Zweifel, dass eben diese Bewegung von Grund aus anders geartet ist. Sie
lehnt die ganze Welt des seelenmordenden Fortschritts ohne weiteres ab, will
nichts mit ihr zu schaffen haben - sie weist nicht nach vorwärts, sondern zurück
auf die mächtigen, urewigen Wurzeln alles wahren Lebens - nein, das stimmt nicht
ganz - sondern auf den Urgrund, in dem allein solches Leben zu wurzeln vermag,
denn alles Heutige ist ohne Wurzeln.
    Wie sagte Hofmann neulich: Es gibt eine Welt
