 war noch völlig unschlüssig, was ich wählen sollte. Er maß mich
mit prüfendem Blick und fragte, ob ich musikalisch sei.
    »O ja, ich spiele Klavier...«
    »Das ist sehr schade - Sie würden sich sonst wohl zum Flötenspieler eignen -
aber es müsste dann schon eine phrygische Doppelflöte sein. Sie werden wohl auch
wieder Ihren jungen Sklaven mitbringen, und ich glaube nicht, dass die
Flötenspieler Sklaven mit sich führten.«
Delius ging - in der Tür blieb er noch einmal stehen und fragte, ob Konstantin
ihn begleiten wollte.
    »O nein, ich bleibe hier«, sagte Konstantin, »Sie gehen wohl zu Heinz?«
    »Ja, ich will Ihren Vetter abholen - wir haben einen Nachtspaziergang zu den
Hünengräbern verabredet. Es ist sehr möglich, dass wir dort zur Nachtzeit
kosmische Urschauer erleben.« Das alles sagte er mit dieser unbeweglichen
Sachlichkeit, die ihm eigen ist, und fügte dann ganz unerwartet mit einem jähen
Auflachen im höchsten Diskant hinzu:
    »... wenn nur um Gottes willen der Mond nicht dazwischenkommt.«
Dann war er verschwunden, wir sahen uns an; ich glaube, uns war einen Moment
ganz spukhaft zumut, selbst der allzeit mokante Sonnenknabe war verstummt. Man
hatte das Gefühl: was ist das? ist er ein Mensch wie wir anderen - lebt er
wirklich zwischen uns hier auf der Welt - in einer modernen, europäischen Stadt?
- oder spielt sein Dasein sich in ganz anderen, unwahrscheinlichen Regionen ab?
Und wiederum: ist er fremd und unwahrscheinlich - oder sind wir es?
    Ich suchte diese Empfindung in Worten auszudrücken.
    Susanna nahm freundlich meine Hand, als wollte sie mir den Puls fühlen, und
sagte beschwichtigend:
    »Lieber Dame, Sie wissen doch, in welchem Stadtteil wir leben, und dass hier
vieles unwahrscheinlich ist - aber eigentlich geht es mir ebenso wie Ihnen...«
    Orlonsky, der schweigend in einer Ecke saß und ein verrostetes altes Schwert
blank rieb, fiel ihr ins Wort:
    »Nun fangt ihr ja glücklich alle an, verrückt zu werden - gratuliere.«
    »Onsky, das verstehst du nicht - du bist ja selbst aus dem Mittelalter und
willst es bloß nicht zugeben. Es ist hier schon viel dummes Zeug - aber Delius
ist echt, es gibt ihn wirklich... ich weiß nicht, wie man das sagen soll.«
    »Seine Substanz ist echt«, korrigierte Konstantin ein wenig überlegen.
    »Echter als deine«, sagte Maria. »Bei Hallwig wurde neulich von dir
gesprochen, man zweifelt an dir - ich fürchte beinah, dein Stern ist im Sinken.«
    »Ich weiß«, gab er plötzlich deprimiert zu, »aber
