
zu euch ziehen.«
    »Und Konstantin?«
    »Oh, Platz genug«, sagte Orlonsky, und es folgte eine Art häuslicher
Beratung zwischen ihm und Susanna. Ich gehöre nicht zu den Neugierigen. Die
Zusammenstellung dieses Hauswesens ist mir immer noch dunkel. Wem das Eckhaus
gehört, wer ständig darin wohnt und wer vorübergehend... und das Kind...
    Heinz hält mich für einen harmlosen, unbedeutenden Menschen - das hat mir
der Sonnenknabe wiedererzählt - und für gänzlich ungefährlich in bezug auf
Frauen, man könne jedes junge Mädchen unbesorgt mit mir auf Reisen schicken.
    Ich weiß nicht, ob man das kann. In den Kreisen, wo ich aufgewachsen bin,
ist es nicht üblich, und ich hatte bisher auch noch nie das Verlangen, junge
Mädchen mit auf Reisen zu nehmen. Also, was sollen solche Bemerkungen? Die Frau,
die ich suche - die steht auf einem ganz anderen Blatt - und wenn ich sie einmal
finde... Dieser Konstantin ist wohl das indiskreteste Wesen, das man sich
vorstellen kann, er erzählt alles wieder, was er sieht, hört, miterlebt, und es
hat den Anschein, als ob seine Freunde ihn alles hören, sehen und miterleben
lassen.
    Susanna behauptet, sie merkten es gar nicht oder fänden es enorm, dass er gar
nicht begriffe, was Diskretion sei. Man bewundere nur die Anmut und heidnische
Schamlosigkeit, mit der er seine oder andere Erlebnisse zum besten gebe.
    Nun, ich will gerne einräumen, dass der Junge viel Charme hat, ich mag ihn
recht gerne. Aber trotzdem berührt es mich nicht gerade angenehm, wenn er mir
mit strahlender Miene erzählt, dass andere Leute mich für einen Dummkopf halten.
Ich wurde sogar etwas ärgerlich und sagte, dass Heinzens böse Zunge mir schon von
der Schulzeit her bekannt sei - worauf er ebenso strahlend bemerkte, ja, ihm
auch, denn Heinz sei sein Vetter, und sie ständen sich sehr nahe.
    Eigentlich kann es mir ja ziemlich gleichgültig sein - für einen bedeutenden
Menschen halte ich mich wirklich selber nicht, aber ich verstehe und begreife
vielleicht doch mehr, als Heinz annimmt. Sonst würde der Philosoph sich wohl
auch schwerlich so viel Mühe mit mir geben - er selbst steht den Dingen ja sehr
skeptisch gegenüber, aber ich habe mehr und mehr das Gefühl, dass es sich hier um
große Ideen und tiefe Lebenserkenntnis handelt. Es sind unter diesen Menschen
zweifellos einige ungewöhnliche Intelligenzen, und sie wollen das Leben auf eine
ganz neue und schönere Art gestalten. Und wenn ihnen das gelänge, wäre es
immerhin etwas Großes - ich würde mich auch, soweit es in meiner Kraft steht,
gerne daran beteiligen. Ich liebe wohl das Konventionelle in allen äußeren
Dingen
